Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 3-5 (10.11.1918)
- Article
- Jüdische Chronik : 10. bis 25. November [Nachricht]
- Date
- 1918-11-10
- Page
- Seite 113 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ni Gemeinde dahin getroffen, daß die Wahlen fortfallen, daß sofort die ♦Statuten der Gemeinde dahin geändert werden, daß in Zukunft, auf Grund des allgemeinen gleichen, direkten, geheimen Proportionalvahlrcchts aller über 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Juden Berlins gewählt werde. Von den Gemeindevorstehern wurde zugesagt, die Statutenänderung so zu 'beschleunigen, daß die Wahlen schon in einigen Wochen stattfinden können. Deutschland. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland veran- Ptaltet.eum 20. November 1918 eine Versammlung ihrer Berliner Anhänger, in der folgende Forderungen aufgestellt wurden: Palästina als nationale' Heimstätte für das jüdische Volk; tatsächliche Durchführimg der vollen Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern; nationale Autonomie für die jüdische Bevölkerung der Länder jüdischer Massensiedelung sowie aller anderen Länder der Welt, deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt; Beseitigung aller Ausnahmebestimmungen gegen ausländische Juden, insbesondere sofortige Aufhebung der' in Deutschland bestehenden Grenzsperre gegen die Juden; Umwandlung der jüdischen Kultus- (Synagogen- und Reügions-) Gemeinden in Deutschland in jüdische Volksgemeinden auf demokratischer Grundlage und unter Sicherung der Rechte von Minoritäten, sowie Schaffung eines Reichsverbandes der jüdischen Volksgej meinden als Vertretimg der jüdij sehen Volksgemeinschaft in Deutschj land mit dem Recht der autonomen j Regelung alier jüdischen Angelegen- | heiten. Die Versammhing begrüßte j die vom Zentralkomitee der zio-! nistischen Vereinigungen aufgestellte j Forderung nach einem Kongreß, der j eine Vertretimg der Juden in j Deutschland zu schaffen hat, und j forderte den vorläufigen Nationalausschuß auf, bis zur Wahl einer Vertretung die erforderlichen politischen MaJ3nalimen zu treffen. Deutschland. Die Berliner Zionistische Vereinigung und die Jüdisch-sozialdemokratische Arbeiterpartei „Poale Zion" veranstaltete am 25. November 1918 in Berlin Protestkundgebungen gegen dio Pogrome in Weotgalizien und Polen. Es sprachen Nahum Goldmann, Julilis Kaliski, Dr. Klee, Reichstagsabgeordneter Oskar Golm. Tn den drei überfüllten Versammlungen wurde eine Resolution angenommen, in der es heißt: „In inniger Verbundenheit mit unseren jüdischen Brüdern rufen wir die gesamte Kulturwelt und die Demokratie Polens auf, der Schmach ein Ende zu bereiten und die Ansprüche der polnischen Judenheit auf bürgerliche und nationalo Gleichberechtigung anzuerkennen und zu verwirklichen. Die auf den Grundsätzen der Freiheit und Demokratie neu errichtete Welt darf das Ver- . brechen der .Unterdrückung und Vergewaltigung der Juden nicht mehr dulden." Deutschland. Verband der Deutschen Juden (Geh. Justizrat Cassel), Deutsch - Israelitischer Gemeindebund {Prof. Dr. Kalischer) und Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs) veröffentlichten am 25. November 1918 in den deutschen Zeitungen folgende Erklärung: „Die unterzeichneten Verbände, welche die überwiegende Mehrheit der Deutschen jüdischen Glaubens in sich vereinigen, erklären im Gegensatz zu dem Standpunkt der einen Bruchteil unserer Glaubensgenossen vertretenden Zionisten,. daß wir uns als unablöslichen Bestandteil des deutschen Volkes fühlen, daß wir eine Glaubensgemeinschaft, nicht aber ein jüdisches Volk in Deutschland sind und jeder nationalen Absonderung widerstrebend