Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 3-5 (10.11.1918)
- Article
- Jüdische Chronik : 25. Oktober bis 10. November [Nachricht]
- Date
- 1918-11-10
- Page
- Seite 112 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Die volle \md tatsächliche Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern. 8. Die nationale Autonomie auf kulturellem, sozialem und politischem Gebiet für die jüdische Bevölkerung der Länder jüdischer Massensiedelung, sowie aller anderen Länder, falls deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt. SO. bis 25. November. Deutschland. Am 13. November 1918 . hat sich in Berlin ein jüdischer Nationalausschuß gebildet. England. Das britische Ministerium , des Äußern veröffentlichte am 15. November 1018 nachstehende Erklärung: „Nachrichten über antisemitische Pogrome in Warschau erreichten Sr. Majestät Regierung. Sollten die Berichte über Pogrome sich als wahr erweisen, dann kann die englische Regierung nur in schärfster Weise zu solchen Zwischenfällen Stellung nehmen. Solche Zwischenfälle sind eine Ermutigung für die Elemente der Unordnung und Gewalt, welche bereits das Leben jeder Bevölkerung zwischen Rhein und Wolga bedrohen. Der eben erreichte Freiheitssieg wird von wenig Bedeutung sein, falls die Welt sehen müßte, daß die Herrschaft der eben vernichteten Gewalt wieder eingesetzt wird in einer anderen Form, die in nicht weniger abstoßendem Gegensatz zu den Prinzipien der Freiheit steht. Die Alliierten und die Vereinigten Staaten sind bereit, ihre ganzen Kräfte zum Wiederaufbau der ökonomischen Grundlagen der Ordnung und des zivilisierten Lebens zu widmen — aber allein jener Länder, welche durch Handlungen zeigen, daß sie Ordnung und Zivilisation wünschen. Wenn irgendein Volk Zentraleuropas .Begier zur Unordnung herrschen läßt, wird die Weltdemokratie unfähig sein, etwas für die Förderung ihres Wiederaufbaues zu tun, sie wird nur fähig ßein, in Geduld und gezwungener Untätigkeit zu warten auf die Wiederherstellung der Bedingungen, welche für den Fortschritt des Friedens die Tür öffnen.1' Deutschland. Im Auftrage der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat das Kopenhagener Büro der Zionistischen Organisation am 17. -November 1918 nachstehende telegraphische Kundgebung _ an die* zionistischen Förderationen in England, Frankreich und Amerika gerichtet: „Wir begrüßen Euch, teure Gesinnungsgenossen, im Moment, da das blutige Ringen der Völker aufgehört und in Deutschland ein neuer Geist der Freiheit gesiegt hat. Es ist von unvergleichlicher Wichtigkeit, daß diese Entwicklung sich ungestört vollzieht. Wenn im jetzigen Augenblick des Überganges Hungersnot und Unterbindung des Verkehrs entsteht, so droht die glücklich begonnene Entwicklung in Anarchie zu zerfallen. Wir begrüßen, daß Amerika und die Länder der Entente beschlossen haben, durch rasches Eingreifen tatkräftige Hilfe zu leisten und bitten Euch, auch Eurerseits alles dazu beizutragen, daß die ungeheuren Leiden des deutschen Volkes gelindert werden, damit es nicht am Hunger zugrunde gehe und in Anarchie sich auflöse. Getragen vom menschlichen Mitgefühl für die Millionen unschuldiger deutscher Kinder und Frauen, denen der Hungerstod droht, wissen wir, daß sofortige Hilfeleistung zugleich im 'dringendsten Lebensinteresse der großen jüdischen Massen sowohl innerhalb Deutschlands, als in den Nachbarländern liegt. Nur durch schnelle "Übermittlung der wichtigsten Nahrungsmittel und durch gleichzeitige Gewährung von Erleichterungen in den Transportbedingungen ist eine Katastrophe zu ■ vermeiden, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Möget Ihr, eingedenk der großen jüdischen Traditionen, Euer Wort einlegen für eines der schönsten Werke menschlicher Liebe und der menschlichen Zivilisation, die selbst bedroht ist, wenn die drohende Katastrophe hereinbricht." Deutschland. Auf Einladung des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde fand am 19. November 1918 eine Konferenz statt, die von den Vertretern der an den Wahlen sich beteiligenden Organisationen beschickt wurde. Es wurde eine Vereinbarung mit dem Vorstand der