Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 3-5 (10.11.1918)
- Article
- Die Revolution
- Date
- 1918-11-10
- Page
- Seite 53 (sequence 3)
- Language
- German
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erkennung als gleichberechtigtes Glied der Völkergemeinschaft, und so hat mit. dem deutschen Judentum das gesamte jüdische Volk allen Grund, die deutsche Revolution auf das freudigst© m begrüßen und zu hoffen und zu wünschen, daß es dem deutschen Volke gelingen möge, die neue gewaltige Unigestaltung seines inneren Lebens friedlich1 und ruhig: und mit voller Kraft durchzuführen. Pogrome in Polen und Galizien Jntrennbar sind Welfcumwälzungen, Judenhetzen und Judenpogrome, — eine Erscheinung, die uns aus der jüdischen Geschichte wohl bekannt ist, deren Gesetzmäßigkeit einen tragischen Bestandteil des jüdischen Lebens bildet. Nur die ungeheure Bestialität der polnischen Machthaber war uns neu: ein leuchtendes Zeichen der polnischen Toleranz! Wir haben in diesen Blättern öfters Gelegenheit gehabt, die Lage der Juden in Polen und Galizien zu schildern. Uns haben die grauenhaften Pogrome, die von polnischen Legionären, diesen, heldenmütigen Vertretern der neuen polnischen Staatlichkeit, veranstaltet wurden, auch nicht überrascht; wer die Polen kennt, konnte von ihnen in dem Augenblick, wo sie die Macht an sich rissen, nichts anderes erwarten. Ewige Schmach bleibt auf ihnen lasten, die Tage von Lemberg werden ihnen nie vergessen werden! Wir geben ira folgenden auf Grund, von Nachrichten der jüdischen und allgemeinen Presse eine Darstellung der einzelnen Pogrome. Die Lemberger Untaten schildern die „B. Z. am1 Mittag'4 und das „Berliner Tageblatt4' folgendermaßen: „Das Blutbad im Lemberg er Judenviorto!. Schon in den ersten Stunden nach dem Einzüge der Polen begannen im jüdischen Viertel Lembergs — und dieses Viertel ist sehr beträchtlich, denn die Juden bilden nahezu ein Drittel der gesamten Bevölkerung in Lemberg — die Plünderungen. Die Geschäfte, deren Rolläden heruntergelassen waren, wrurden von den Legionären aufgebrochen und ausgeraubt. Aber nicht nur Juden, sondern auch deutsch-österreichische Offiziere und Zivilisten, kurz, jeder Mann, der auf der Straße nach einem Deutschen aussah oder deutsch sprach, wurde auf offener Straße ausgeraubt. Die Plünderungen nahmen einen immer gewalttätigeren Charakter an, ohne daß vom polnischen Konimando auch nur im geringsten eingeschritten wurde. Ganz ungestraft durften die Plünderer die erbeuteten Whren über die Straßen in ihre Wohnungträgen oder öffentlich verkaufen. Wo den Plünderern ein Widerstand geleistet wurde, machten sie von ihren Waffen schonungslosen Gebrauch. Eine Deputation von jüdischen Einwohnern, die bei den polnischen Behörden vorsprach und um Schutz bat, wurde mit Redensarten abgespeist. Es ist offenkundig, daß. die Plünde-