Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 2 (25.10.1918)
- Article
- Jüdische Chronik : 10. Oktober - 25. Oktober 1918 [Nachricht]
- Date
- 1918-10-25
- Page
- Seite 47 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2908689-2908735-2908738--2083-2911410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
47 0003003 Umschau TnnrifTTiniirrniTn Jüdische Chronik 10. Oktober— 25. Oktober 1918 Amerika. Präsident Wilson richtete - an die Leitung der amerikanischen Zionisten eino Botschaft, in der er seinem tiefen Interesse für die Wiederaufbauarbeit Ausdruck gibt, die die englischen Zionisten in Palästina leisten. Wilson fügte hinzu, daß er die Gelegenheit begrüße, seine Genugtuung zu. äußern über den Fortschritt der zionistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten und den alliierten Ländern »seit der Erklärung Balfours namens der englischen Regierung und der englischen Zustimmungserklärung, Palästina als nationales Heim für das jüdische Volk zu errichten. Österreich. Am 15 Oktober 1918 wurde in Wien das Allgemeine J ü (1 i s c h o Pädagogium eröffnet. England. Die englische Gesandtschaft in Kopenhagen ließ der zionistischen Weltorganisation die Einladung zugehen, sich zur Frage des Anschlusses des jüdischen Volkes an die geplante Liga der Nationen zu äußern. Österreich. Am 15. Oktober 1918 fand in Wien eine große -Massenversammlung statt, in der über 5000 Menschen anwesend waren. Nach einer Reihe von Reden wurde eine Resolution angenommen, in der u. a. folgendes ausgeführt wird: „. . . In Übereinstimmung mit dem von allen kriegführenden Milchten proklamierten Grundsatz der Demokratie und des Selbstbestimmungsrechts der Völker fordert das zu neuem nationalen Leben erwachte jüdische Volk, daß es als gleichberechtigte Nation in der Gemeinschaft der Völker anerkannt werde und eine Vertretung beim allgemeinen Friedenskongreß zuerkannt erhalte. Vor dem Weltforum fordern wir für das jüdische Volk 1. eine natio- . nale Heimstätte in Palästina, 2. nationale Rechte in. allen Ländern, wo Juden leben." Bußland. . Aus Rußland trafen in Charbin 5000 jüdische Legionäre ein mit der Absicht, sich via Amerika nach Palästina zu begeben. Polen. Anläßlich des Manifestes des Regentschaftsrats über dio Einberufung des polnischen Landtags gaben verschiedene jüdische Parteien folgende Erklärungen ab: Dio Ortodoxen^ (Wegmeister) erklärten „die wärmste Teilnahme an dem Wiederaufbau des Vaterlandes. Wir ,alle erwarten, daß Polen ein Staat der Gerechtigkeit sein wird, der die gleiche Liebe und Fürsorge allen seinen Bürgern ohne Unterschied der Konfession zuteil werden läßt.u Die unabhilngigenJuden. (Dr. Goldflam): „Wir huldigen dem unabhängigen, vereinigten polnischen Staate, dessen Verfas- . sung auf die Grundsätze des wahren demokratischen Geistes, auf die Gleichheit der Rechte und Pflichten aller Bürger sich stützen wird, ohne Unterschied der Überzeugungen, Konfessionen, des Standes und der Nationalität." Die jüdischen Assimilat o r o n (E i g e r): „Die Zeit naht, wo das unabhängige und vereinigte Polen die gehörige Stelle in dem Bunde der freien Völker der ganzen.Welt einnehmen wird, und in diesem feierlichen Augenblick eint sich die jüdische Bevölkerung mit der Nation im Gefühl der Freudo und des Glaubens." Die jüdische Volksgruppe (Dr. P r i 1 u t z k i): „Die Einberufung der Konstituante sollte durch ein Komitee erfolgen, dessen Bestand den wirklichen Verhältnissen zwischen den politischen Richtungen und sozialen Schichten sowie, den nationalen Gruppen im polnischen Lande entsprechen würde. Das Komitee müßte ausgesprochen demokratisch sein und eine entsprechende