Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 23 (10.9.1918)
- Article
- Neues vom jüdischen Verlag [Rezension]
- Date
- 1918-09-10
- Page
- Seite 548 (sequence 2)
- Language
- German
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sehen hebräischen Schrifttums nicht bloß nachgebildet wie etwa der Geist von Balzacs „Contes drolatiques", dem Geiste Rabelais' — er ist dieser Geist selbst. Diese Empfindung^ ist um so zwingender, als das Buch nicht von einem raffinierten Literaten und nicht in einem der großen Zentren des europäischen Literaturbetricbs, sondern von einem aus Galizien nach Palästina verschlagenen Vierundzwanzigjkhrigen geschrieben r/urdo. Ein Kritiker verglich Agnon. mit Rabindranath Tagore. Wir halten <lio Vergleichung des jungen Juden mit dem alten Hindu, dessen Dichtungen — wenigstens in der Übertragung — von einer spezifisch englischen Süßlichkeit triefen, für blasphermsch. Agnon steht außerhalb aller Vergleiche: er ist eine Klasse für sich, eine der monumentalsten Erscheinungen innerhalb der gesamten modernen Literatur. Außerordentliches Lob verdient die von Max Strauß besorgte Übertragung: sie ist ein sprachliches Meisterwerk und steht an eigener Schönheit wie auch an der Pietät dem Geiste des Originals gegenüber in unserer an "Übersetzungsliteratur so reichen Zeit ganz einzig da. Nun einiges Ober die Ausstattung. In unserer Zeit des durch die Kriegswirtschaft bedingten Verfalls dos schönen Buches ist diese Schöpfung des Jüdischen Verlags eine überaus erfreuliche Erscheinung. Der von E. R, Weiß gezeichnete Umschlag gehört zu den schönsten Arbeiten diosos Meisters; ebenso der Innentitel mit der roten Zeile. Papier, Satzspiegel und Type des Testes sind der schönen Hülle durchaus würdig, wenn auch der Satz nicht üborall tadellos ist. Gleichzeitig mit dem Agnonschen Buche gibt der Jüdische Verlag ein reizendes „Blau-Weiß Liederbuch" heraus. Das schöne Büchlein ist in Format und Anordnung dem bekannten „Zupfgeigenhansl" sehr glücklich nachgebildet. Der Einband und der Innentitel sind geschmackvoll von Joseph Budko gezeichnet. Die Auswahl der Lieder, für die der Verlag, wie er nachdrücklich betont, nicht verantwortlich ist, mag bei manchem Bedenken erregen. Wenn man aber an die Sammlung ohne irgendwelche Voreingenommenheit herantritt, hat man an den schönen Melodien und Texten nur Freude. Sehr schön sind die von Ar im Nadel herausgegebenen o n - t e f f 1 i e d e ru, von denen bisher fünf Hefte erschienen sind. Es war eine überaus glückliche Idee, für jedes jüdische Fest ein eigenes Notenheft herauszugeben, in dem je eine neuere jiddische und ältere hebräische Weise enthalten sind. Zu einigen Liedern hat Arno Nadel wertvolle Anmerkungen geschrieben. Am reizvollsten ist wohl das Pessachheft mit den drei verschiedenen Chad-Gadjo-Weisen. Wahrend Noten im allgemeinen und jüdische Noten insbesondere meistens recht geschmacklos gedruckt zu werden pflegen, ist auch diese Veröffentlichung des Jüdischen Verlags typographisch tadellos. " ■ Zum Schluß erwähnen wir das von Lubman-Chabib zusammengestellte und Artur Joab gezeichnete Hebräische Quartettspiel. Die gute Idee ist, was Ausführung der hebräischen Schrift und die Farbenfreudigkeit betrifft, recht gut verwirklicht. Dagegen sind einzelne der Zeichnungen gar zu clilletantisch. Pädagogisch ist aber das Spiel zweifellos von größtem Wert. Albert Zucker. m Wac&steln: Mq Inschriften Von Dr. A. Fürst, Szeke . Vor etwa 15 Jahren hat die Historische Kommission der Wiener Kultus- Scmomdo die Herausgabe der „Quellen und Forschungen zur Geschichte der ^udp In Deutsch-Österreich* in Anrpli' gonommen: ein Arbeitsgebiet, auf ec;a bis dahin auch die Vorarbeiten des Wiener Judeisfriedhofes sfehörvär (Stuhlweißenburg) nur unzulänglich genannt werden konnten. Unter den meist musterhaften Publikationen, die seither erschienen und uns ganz neue Einblicke in das schicksalsschwere Los der Wiener Judenheit eröffneten, nimmt obenbenanntes Werk zweifellos den