Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 23 (10.9.1918)
- Article
- Die Geschichte eines Menschen
- Date
- 1918-09-10
- Page
- Seite 544 (sequence 2)
- Language
- German
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m . .: Die Fabel des Buches enthält ein Element, das seit den ältesten Zeiten bis auf Eulenbergs „Belinde4* häufig zum Motiv, gewählt worden ist:: der Seelenkonflikt des Gatten, der nach jahrelanger Trennung heimkehrt und die Gattin im Glauben Beines Todes neuvermählt findet Hiermit gelangen die Romane oder Dramen, die sich dieses Themas bemächtigt haben, fast ausnahmslos zum Abschluß: entweder Mord und TodscMag oder entsagungsvoller Verzicht Auch Menascheh Chajim „verzichtet" auf Kreindel Tscharne, um derentwillen er fünf Jahre lang den Bettelsack trug und alle Mühsal des Schnorrerlebens erduldete, — um derentwillen aus dem Zaddik ein Sünder wurde, der für jede üble Tat, zu der der böse Trieb ihn zwang, in tiefer Herzens- UBSchuld aus seiner Liebe zu Kreindel die Rechtfertigungsgründc vor sich selbst holte. Aber damit ist es bei ihm nicht getan. Wie, er sühnt oeine Schuld durch solchen Verzicht und darf hoffen, daS „seine Seele gebunden sein wird in das Bündel des Lebens14, und Kreindel leM ahnungslos in der großen Schuld der Frau, dae in ehelicher Gemeinschaft mit dem zweiten Manne lebt, da der erste doch weder tot ißt, noch ihr den „Get" gegeben hat? Und so beschließt Menascheh Chajim zu sterben, auf daß Kreindel ihrer Sünde ledig werde. Aber wie stirbt eia Jude, — legt er etwa Hand an sich? Nein, Menascheh Chajim sehnt sich nur nach dem Tode, den er sich nicht nehmen darf, er quartiert sich bei den Gestorbenen ein, — nicht ohne die Distanz su vergessen, die zwischen ihnen und ihm, dem „Cohen", immer bleiben muß, — und durch eine wundersame Verknüpfung sieht er, wie die Llasewoh errichtet wird, die Kreindel dem Totgeglaubten weiht. Wte> er stirbt, da setzt man ihm diesen Grabstein auf die Grube. „Und als der bestimmte Tag kam, da stand Kreindel Tscharne auf Menascheh Chajim Grab und ihre Tränen fielen auf seine Asche". So wird das Krumme grade, und eines Menschen Irrweg über alle Klippen und durch alle Engpässe des Lebens führt in das Gan Eden. Es hat einmal jemand gesagt, des Juden Held sei der Heilige, Der Held zieht aus, das Abenteuer zu suchen — den Heiligen aber überfällt das Leben auf der graden Straße seines gottbestimmten Lebens. Es haben jene die Gestalt eines Siegfried, der von der Heerstraße in den unwegsamen Tann dringt, um den Drachen zu suchen und ihn zu bestehen» Und wir haben unter Anderen die Gestalt dieses kieken Hiob von Buczacz, der hinausge trieb en wird in die Welt der Abenteuer und der Versuchung, und der keine größere Sehnsucht kennt, als heimkehren zu dürfen auf die grade Straße des jüdischen Lebens, dessen richtunggebende Kräfte in ihm nicht die Sehnsucht nach Abenteuern und unvorherbestimmbaren Erlebnissen erwecken, sondern das Hingegebensein an das Ziel, der im Leben nicht ein Experiment mit zweifelhaftem Ausgang, sondern eine Aufgabe zum Erfüllen erblickt. Vielleicht, trägt dieses Buch dazu bei, daß bei uns die Erkenntnis dieser Wesensverschiedenheit sich steigert. Bei aller Lehre die es gibt, ist 03 nichts weniger als lehrhaft, und es fehlt ihm nicht ein Salzkömchen jenes trockenen Humors, der unsre besten jüdischen Bücher