Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 19 (10.7.1918)
- Article
- Lyrische Romantik
- Date
- 1918-07-10
- Page
- Seite 452 (sequence 2)
- Language
- German
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052 würde er .einfacher gesagt haben: In Palästina darf der Zinsfuß ..-nie über 8%. hkiaacgehen. Und selbst dann bliebe noch die Frage: warum 8, warum nicht 1%? Warum nicht überhaupt kein Zinssatz? Unsittlichkeit und Habgier lassen sich doch wohl schwerlich prozentual abstufen! Aber das Unglück bei uns ist, daß man auch aus Zahlenf ragen romantische Gedichte macht — 1—,. ' * i: # * Der Mut zum Kloster. Im gleichen Gedicht findet sich der Satz: „Wir müssen die Sünden cler europäisch-amerikanischen Umwelt hinter uns lassen, wenn wir nach Palästina gehen." Warum erst dann? Warum nicht, „die Leere des Geistes unä^des Herzens" schon Jetzt, schon hier abstreifen? Warum, wie Kaplun-Kogan richtig sagte, sittliche Postulate abhängig machen von Zeit und Raum? Als im Christentum jene wesensgleiche Stimmung aufkam, die die Weit verlästerte als eine Fülle von „Habsucht, Trieb nach Geld, nach konkretem oder geistigem falschen Besitz, Herrschsucht, Strebertum, Karrieresucht —" da schuf e.3 sich die Klöster, hinter deren Mauern sich alle, die solche sittliche Postulate aufstellten, zu deren Verwirklichung auch wahrhaft vereinten» Dort nahmen sie, ohne Zins, nur was sie brauchten, um „frei und redlich zu loben" und führten fern von der ökonomischen Welt ein Leben nach ihren Prinzipien der Sittlichkeit. Sie warteten nicht und beharrten nicht solange in der sündigen Umwelt, bis man ihnen ein Palästina nach ihren Wünschen präsentierte. Sie setzten sich stolz und entsagungsvoll in rauhen Gegensatz zur Umwelt, schieden sich, schlössen sich ab, traten heraus: das war ehrlich und konsequent. Warum warten? Aber es gehört Mut zum Kloster — vor allem: es gehört die Überwind^ng des Literatentums dazu---- * * * Ekstatische Konfessionen. „Leib--zerwühlt--hundert eiserne Schienenstränge--Heiligkeit--Grüfte--- blendende Bogen- Irjnpen--übelriechender Qualm--ragende Schlote--schneeweiße StraSen---schwarze Wolken--Klingeln, Rasseln, Sausen--Aufblitzen --künstliehe Lichtgarben--Geheul der Sirenen--wilde Srwerbshast — — Kneipen--tierische Lust--dunkler Strom-- Gebreisch--Fiebertaumel---" „Stimme des Werdens--Vergehens--Schweigen der Sterne --Zittern der Gewässer--Antlitz Gottes---" („Der Jude", Heft 12, II. Jahrg.) Kinodrama? Dadaismus? Noin, nur die „Ekstatischen Konfessionen" einer Jüngeren. Einer Journalistin, die plötzlich die Kultur palästinensischer Unkultur entdeckt. Einer Journalistin, die das gelobte Land im Geiste schon verseucht sieht durch verruchte, sündhafte, barbarische Einflüsse Europas, wie: Eisenbahnen, Wasserleitung, Kanalisation, Licht und Kammerjäger. Einer Journalistin, die ebenfalls ihre sittlichen Postulate abhängig macht von Zeit und Raum, und *:ei den „Papierfetzen, die mit schreienden Imperativen an alle kläglichen BetVirfnis30 physischer Existenz erinnern," wohl zu unterscheiden weiß zwischen f.cnen, die als Reklameplakatedrüben prangen und jenen, die hier als l-oiiHlctons an die Tageszeitungen gehen. Einer Journalistin, die von hier ^;.3, von Berlin, London oder Paris aus schreibt: „Wenn ich dein gedenke, Jerusalem, und mir vorstelle, du könntest w-erdon wie irgendeine andere Großstadt, wie Paris, London oder Berlin — C.::;:m faßt mich Granen". Ja, da Saßt mich Grauen •--