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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-10 · Heft 19 (10.7.1918) · p. Seite 440

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 19 (10.7.1918)
Article
Eine kleine Anfrage im Reichstag
Date
1918-07-10
Page
Seite 440 (sequence 2)
Language
German
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Zoifomgon Pölen3 wurde von der Zensur verboten, irgend etwas über diese Pogromplakate zu schreiben, während der polnischen in Lodz erscheinenden Zeitung ,Nowy Kurjer Lodzki* nicht nur gestattet war, die Aufrufe im Wortlaut wiederzugeben," sie konnte noch dazu sagen: ,Der Inholt dieser Auf ruf e entspricht der Stimmungder polnischen Masson.4 ' Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, damit unter den Augen der deutschen Besatzungstruppen derartige den inneren Frieden in Polen gefährdende politische Mittel, die den Methoden des korrupten, ehemaligen zaristischen Systems entnommen sind, nicht mehr angewendet werden können? Ist der Herr Reichskanzler bereit, auch im Interesse Polens selber, seinen großen Einfluß auf die polnische Regierung dahin auszuüben, daß diese für die Folge energisch gegen die Urheber von Pogroinaufrufen vorgeht und nichts unterläßt, was die Wiederholung solch bc« schämender Vorgänge zu verhindern geeignet ist?" Am 17. Juni stand unter anderen kleinen Anfragen auch die oben abgedruckte ^er Tagesordnung. Der Unterstaatssekretär Lewald führte aus: „Es ist richtig, daß Flugblätter, in denen zur Vertilgung der jüdischen Emde aufgefordert wird, in den letzten Monaten wiederholt nachts in Warschau angeschlagen worden sind. Für Lodz ist das polizeilich nicht festgestellt worden. Die Flugblätter sind jedesmal so schnell wie möglich von deutschen Polizeiorganen entfernt worden. Hierzu war ein ausdrücklicher -Befehl ergangen. Bei der Ausdehnung von Warschau und bei der geringen Zahl deutscher Polizeimannschaften ist es immerhin möglich, daß an den wenig belebten. Stellen der Stadt die Aufrufe nicht sofort entfernt worden sind. Die Behauptung, daß jüdischen Zeitungen verboten worden ist, irgend etwas über die Flugblätter zu schreiben, entspricht nicht den Tatsachen.4* Schopenhauer, der Jude Von Dr. Rafael Seligmann^ Berlin. .^^Schopenhauer ist neben Nietzsche fast der einzige Philosoph, dessen j&i^r Verhalten zum Geiste des Judentums einer klar und tief durch- C^i$S) dachten Weltanschauung und nicht verschiedenen nebensächlichen Erwägungen und Gedankengängen entspringt, wie wir es so oft bei anderen Denkern beobachten können. Mit seinen letzten Wurzeln steckt das Schopenhauersche System in einer'innerlichen, persönlichen Wertschätzung des Lebens und der Welt, und nicht, nur in einer äußerlichen Erkenntnis der Natur; daher mußte sich auch die Schopcnliauersche Konseption unwillkürlich mit dem eigentlichen Lebensnerv dos Judentums berühren, mit dem Lebensnerv einer Lehre, in deren Vordergrund die ethische und folglich auch die persönliche Seite des Löbens sich befindet. Und eben diese Berührung entzündet in der Goelo Schopenhauers einen flammenden und hartnäckigen Protest gegen alles, was zu den Haupttendenzen des Judentums in irgendwelcher Dcslehung steht. Überall da, wo er auf dieses zu sprechen kommt, ho ..i man aus seinen Worten einen scharfen und harten Ton verhaltenen Grolle heraus. Ein derartiges Verhalten zum Geiste des Judentumsnoiions eines derartigen tiefen und ersten philosophischen Genies be-

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