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Neue jüdische Monatshefte · 1918-06-10 · Heft 17 (10.6.1918) · p. Seite 410

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 17 (10.6.1918)
Article
[Rezension]
Date
1918-06-10
Page
Seite 410 (sequence 2)
Language
German
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ihres Reichtums, sondern auch wegen „einer gewissen höheren Lebensführung;-so daß eine nicht unerhebliche Zahl vornehmer jüdischor Damen für die besten Kreise in der Saison ihre Salons often hielten". An de? Revolution nahmen die Juden regen Anteil. Adolf Fischhof gewinnt über ragenden Einfluß. Die Revolution brachte den Juden bürgerliche und politische Gleichberechtigung,'uni deren Auswertung allerdings die nächste Zeit noch erbitterte Kämpfe geführt werden mußten. Das Wirtschaf fesleben, das über ein Jahrzehnt nach der Revolution noch darniederlag, erfuhr eine Belebung durch die Errichtung der .Niederüsterrcichischen Eskomptegesellschaft und der Kreditanstalt, die nach dem Vorbild des Credit mobilier Handel und Industrie durch Gewährung von Mohiliarkredit hoben. Eine machtige Forderung des Wirtschaftslebens bedeutete auch die Verlautbarung der Gewerbefreiheit 1859. Jetzt erst konnten Juden auch Detailgeschafte auf allen Handelsgebieten eröffnen. Gleichzeitig bildet sich' in Wien wie in der Provinz eine jüdische Industrie aus. Der Verfasser bietet mit eingehender Sachkenntnis, namentlich auf dem Gebiet der Textilindustrie, der er nahestand, eine Fülle von Einzelheiten, die, zusammengefaßt, die vielfach schöpferische und beherrschende Bedeutung der Juden für das Wirtschaftsleben Wiens dartun. In diesem Zeitalter, des Liberalismus gewinnen einzelne Juden auch Einfluß im öffentlichen Leben. Der wirtschaftliche Aufstieg findet seine Fortsetzung. Die berufliche Gliederung erweitert sich. Da erhebt sich, zuerst im Rahmen des Liberalismus, eine Gegnerschaft gegen die patrizische Fuhrung der Bewegung, die demokratische Partei. Als Partei des Kleinbürgertums wandte sie sich' bald der gewerblichen Agitation zu, schrieb, als der Antisemitismus Endo der 70 er Jahre seinen Einzug hielt, jüdenfeindliche Tendenzen auf ihre Fahnen und bildete sich so zur christlich-sozialen Partei Österreichs ■ au». Dieselbe judenfeindliche Hal- . iung nahm aber auch die* deutschnationale Partei ein, obwohl „auch der kleinere Jude in dem letzten Dorfe immer ein Kämpfer für den deutscher* Kandidaten war". Das Bewußtsein dieses Undanks machte „allen Juden gerade diesen deutschen Provinziai-Antisemitismus besonders, peinlich41. Der Verfasser muß demnach als Ergebnis dieses Zeitraums feststellen: „Die Mienen der Bevölkerung hatten den Juden gegenüber geradezu gewechselt: sie begegneten allerseits, wo immer sie sich einfanden, wenn auch nicht der geringste Anlaß dazu gegeben, war, feindlichen. Blicken. Der Verkehr, welcher zwischen den Distinguierten beidlcr Lager sich' fast'schon ein Jahrhundert vorher leise angesponnen, sich dann in die besseren bürgerlichen Schichten fortgepflanzt hatte, in den Theatern, Konzerten, Vorträgen, in sonstigen Unterhaltungs- und öffentlichen Lokalen überhaupt, sichtbar geworden war, hörte wie mit einem Schlage auf/' Nichtsdestoweniger glaubt der Verfasser den eingangs erwähnten Zweck des Buches erfüllt. Möglichkeit und Aussichten einer Assimilation scheint er in folgender Überlegung zusammenzufassen: „Die Geschichte der Wiener Juden kennt eine lange Liste von zum Christentum übergetretenen Familien; nennt man die* besten Namen, werden auch diese genannt.41 Auch ein Blick auf Deutschland, dessen Verhältnisse sonst nicht in den Kreis der Beobachtungen einbezogen werden.' ist am Ende des Buches angefügt-, -um die befriedigte Feststellung machen zu können: „Die ungescheute Ernennung von Juden zu Offizieren in der deutschen Armee, nicht etwa ausnahmsweise, sondern ganz im normalen Ausmaße, die Verleihung des Eisemen Kreuzes an Tausende von Juden, hätte ohne eine solche Wandlung gewiß nicht gewagt (!) werden können." Der Verfasser bietet auf Grund eigener Erlebnisse, Beobachtungen und Erfahrungen eine ungemein reiche Fülle wertvollen Materials, Die soziale Verständnislosigkeit aber —- sei es für eine Volks-, Religions¬ oder Klassengemein schuft — nimmt dem Buche den Wert . einer Geschichtsdarstellung und verleiht ihm in vielen Teilen den Charakter einer Sammlung von Anekdoten über „prominente Persönlichkeiten44, in der die Ausblicke, die den. Zwecken des Buches dienen sollen, durch Streben nach Nichtigkeiten und Würdelo Sigbert gekennzeichnet sind, Dr. Artur Rosenberg, Wien. r:^iv;cvJ.:.ei5 Sür che Schrifücltung und fürdon Verlag: Martin Goetz, BerUn-Charlottenburg i^durucji.uor p-^Ui^ß den Tageszeitungen mit genauer Quellenangabe gestattet, tearucut bei JuUua Sittenfeld, Hoibuehdrucfcer., Berlin w.

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