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Neue jüdische Monatshefte · 1918-06-10 · Heft 17 (10.6.1918) · p. Seite 409

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 17 (10.6.1918)
Article
Die Juden unter der Gegenwärtigen Regierung Rußlands
Date
1918-06-10
Page
Seite 409 (sequence 2)
Language
German
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eines Staatswesen^ nicht eignen. Bei dieser Sachlage^ ist es nicht zu verwundern, daß der Zionismus unter der russischen Judenheit immer mehr an Boden gewinnt. Die Befürchtung mancher jüdischer Kreise, daß d'ie jüdische Emanzipation' in Rußland das nationale und insbe-. sondere zionistische Interesse abschwächen werde, hat sich nicht bewahrheitet. Der Zionismus hat eher an Gewicht zugenommen und sich auf viele Kreise ausgedehnt, die bis- {OJinHiDGDlIDGDlIDGj) Sigmund Mayer: „Die Wiener ' Juden 1700—1900." R. Löwit Verlag, Wien u. Berlin 1917. Der Yerfasser bezeichnet es als Aufgabe und Zweck des Buches, die Juden in Deutschland, noch mehr in Österreich, vor den Gefahren des jüdischen Nationalismus zu warnen. (Von einer Bekämpfung des Zionismus abzusehen, hält sich Sigmund Mayer verpflichtet, weil man gegen eine „sterbende Idee" nicht kämpfe.) Der jüdische Nationalismus bedrohe den Erfolg der Assimilation, um die sich die Juden seit fast 200 Jahren bemühen, indem er durch die beabsichtigte Errichtung einer jüdischen Kurie die Schaffung eines neuen, politischen Ghettos anstrebe. Die nationale Bewegung biete aber keinen Ersatz für die gefährdeten Errungenschaften der Assimilation, deren großen Erfolg am besten die Gegenüberstellung der gegenwärtigen Verhältnisse der Juden gegenüber jenen vor 200 Jahren zeige. Diesen Gegensatz vor Augen zu führen, ist der Inhalt des Buches bestimmt. Der Verfasser zieht für' seine Darstellung eine umfassende Literaturkenntnis, vor allem aber die reichen persönlichen Eindrücke und Erlebnisse seines bald neun Jahrzehnte umspannenden Lebens heran. Den weitaus größeren und als selbständige Quelle wertvolleren Teil des Buches bilden die eigenen Beobachtungen des Verfassers, die bis in die 30 er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Sigmund Mayer wuchs im Preßburger Ghetto auf, dem -ein wesentlicher Teil der älteren, in Wien ansässigen jüdischen Familien entstammt. Die Bewohner des Ghettos gewannen ihren Lebensunterhalt aus dem Handel mit Textilwaren. Ein her abseits von ihm standen. Der durch den prekären Zustand des ganzen Landes in Mitleiden schalt; gezogene gesellschaftliche Zustand der russischen Judenheit mag in vielen jüdischen Kreisen die Einsicht gezeitigt haben, daß ein fixer und sicherer Punkt irgendwo auf dem Erdball — und sei es in Palästina — für die Judenheit im allgemeinen von unschätzbarer Bedeutung werden könnte. Cu düsterer Ernst, entsprungen dem Gefühl der Schutz- und Rechtlosigkeit, erfüllte diese Juden. Die harte Schule des Ghettolebens brachte aber zahlreiche Kampfesmcnschcn hervor, die auf ihrem Gebiet zu Bedeutung gelangten. Im Preßburger Ghetto liegt die Wiege der Begründer einer Reihe von führenden Familien des Finanz- und Wirtschaftslebens in Österreich und Ungarn. 1847 ging Mayer nach Wien. Den Juden gegenüber waren noch?.n;?per jene Gesetze in Kraft, dio ihnen, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, einen Aufenthalt nur für drei Tage gestatteten. Die Behörden duldeten aber in einer Weise, die einer Für«h>- rung gleichkam^ die Wohlhabenden, um die Besitzlosen um so unnachsichtiger auszuweisen. So war <!<>r Großhandel der Staut von den 10 Oüü bis 12 000 Juden, die hier wohnte? \ beherrscht. Ein Streiflicht wi-*t Mayer auf den Anteil der Juden geistigen Leben des Wiener Vormärz; M. G. Saphir, Hieronymus Lorm, Ludwig August Frank], i'gnat-z Kuranda und Moritz Hartnnvi treten hervor. In der Finanzwirtschnit haben bereits die Familien der Freiherren von Springer, von Wertheimstein und Künigswarter Bedeutung. Im Wien des Vormärz beobachtet der Verfasser, daß sich die Juden ,,cp,ijc Scheu nicht nur auf der Straße bewegten, sondern auch im Bierhaus, ebenso in den vornehmen Restaurant? wie im' Kaffeehaus und in Vergnügungslokalen; man konnte sie in gleicher Weise, wenn auch nicht allzu hiiung, zwanglos und ohne daß es irgendwie auffiel, mit ihren Dame*), auf allen Elitebalien finden". Die reichen Juden bilden eine „Oberschicht", jedoch nicht aliein wegen LäierafurMail

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