Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 12 (25.3.1918)
- Article
- Österreich
- Date
- 1918-03-25
- Page
- Seite 288 (sequence 2)
- Language
- German
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288 lieh fordert der Entwurf, daß vom Kongresse geeignete Maßnahmen gegen die B e n a c h t e i 1 i g u n g d e t Juden am öffentlichen und sozialen Leben beschlossen werden. Der Stein ist ins Köllen gebracht. Soll das Werk gelingen, dann muß jetzt die Kongreßbewegung mit der größten Energie bis in den kleinsten Ort verpflanzt, der Masse ein Rückgrat gegeben und dafür Sorge getragen werden, daß die mit großer Umsicht begonnene Aktion nicht durch Verzettelung erlahmt. Dr. 0. A. ElfSOBOBEOliBOIlOB Lileraturblaii 0(3013 030300® Gusi&v Meyrink l) Das Uiteil war schnell bereit: „Ein phantastischer Dichter.44 Es war richtig, traf aber nur etwas Äußerliches, eigentlich nur etwas Negatives. Meyrinks Dichtung ist nicht wie die meiste Epik rationalistisch, weiöt keine psychologisch und logisch zusammenhängende Folge der Handlung auf, ist kurz gesagt nicht ein Abbild dessen, was der gesunde Menschenverstand „Wirklichkeit44 nennt. Meyrink gestaltet das Irrationale; dieses ist ihm die eigentliche Wirklichkeit. Dom Dichter vertauscht sich das logisch Geschiedene; ihm geht eins ins andere über: Ich und du, Leben und Tod, Traum und Wachen, heute und gestern und morgen, Augenblick und Ewigkeit, Maske und Antlitz, drinnen und draußen, Seele und Körper, Wort und Begriff, Ahne und Enkel, Ihm ist dieses Phantastische nicht phantastisch. Das Mystische ist ihm das Wirkliche. Er ist mehr Seher und Denker als Diklner; die Dichtung ist ihm nicht Selbstzweck, sondern das seiner Begabung adäquate Ausdrucksmittel für metaphysische Erlebnisse.. Wie aber kommt das J u d e n t u m in die Meyrinksche mysteriöse Gesellschaft von Gespenstern, Sonneanbetern, Fakiren,' Wachsfiguren, Zauberern, Hellsehern, Telepathen usw.? Wie kommt es, daß die zwei großen Komane dieses Dichters, der l) Meyrink, „Des deutschen Spießers Wunderhorn*4, gesammelte Novellen (.München, Albert Langen), 3 JJHnde. — Romane: „Der Golem", „Das grüne Gesicht**, „Walpurgisnacht'4 (Leipzig, Kurt Wolff Verlag), Preis je'3,50 M. gehoitet, 5,00 M. gebunden. „Golem** und „Das grüne Gesicht11, erfüllt sind von jüdischem StoffV Was zieht diesen phantastischen Dichter : zum Judentum, dem herkömmlich als rationalistisch und niichtern bezeielmeten? Schnellfertig ertönten auch hier diq beiden in solchen Fällen üblichen Antworten. Den Antisemiten war er „der Jude Meyrink"; vielen Juden der „Antisemit*. Meyrink hätte nicht nötig gehabt, sich öffentlich hiergegen zu verwahren. Der im Dunkeln hausende Wassertrum und dessen Sohn, der als Arzt die ihm vertrauenden Kranken Geldes halber blendet, übertreffen Sliakespeare», Arnims, Raabes und Frey tags Wucherer an Scheußlichkeit. Dafür leuchten auch Hillels und seiner ätherischen Tochter Lichtgestalten heller als Lessings Nathan und Arnims Ahasver. Sind aber diesem Dichter seine Menschen überhaupt eigentliches Darstellungsobjekt? Sie sind ihm nur körperliche Gefäße für okkulte Vorgänge. Das hat mit „Philo"- und „Anti"- und „Rasseh¬ und ähnlichen allzu menschlichen Fragen nichts zu tun. Ein gerader Weg führt von MD c s deutschen Spießers W u n - d o r h o r na zu den Romanen des Prager Ghetto und des ewigen Juden. Das „W u n d e i b a r e" und der „S p i e ß e ru — zwei wesensverschiedene Stoffgebiete, und doch künstlerisch verwandt. Das eine ist die Negation des anderen. Meyrink sieht im Schein das Sein, ahnt hinter der sinnlichen Welt ihr metaphvsisches Wesen. Er haßt alle, die nicht hinter die Dinge zu schauen vermögen und ihr winziges persönliches Daseid und die Dinge, in die hinein sio gestellt sind, für wertvoll, wirklich und wichtig nehmen, - Darum ist