Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 8 (25.1.1918)
- Article
- Kleine Geschichten
- Date
- 1918-01-25
- Page
- Seite 193 (sequence 4)
- Language
- German
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193 sich zu zanken und sich zu bekämpfen, sich zu beleidigen und sich zu bekriegen. Je iänger, desto heftiger. Alles um des Schatzes willen. Und der Schatz — er sank darüber in die Erde — tiefer und tiefer . . . Deutsch von Lotte H. Robänsohn Liiteraturblaffr Die Juden in Dr. Salomon Kassner. „Die Juden in der Bukowina." Wien und Berlin 1917.' R. Löwit-Verlag. 60 S. Preis geh. 1,50 M. Kassner zieht für seine Darstellung' die Zeit seit dem Anfall des Landes an Österreich (1774, beziehungsweise 1775) in Betracht. Bald hernach (1786) bildete die Bukowina einen Kreis Galiziens, bis sie 1849 ein selbständiges Kronland wurde. Der Verfasser bezeichnet die Juden unter Heranziehung von (geschichtskritisch nicht zureichenden) Belegen als bodenständig und glaubt an eine unmittelbare Einwanderung aus Palästina. Zwei Jahre nach der Vereinigung* der Bukowina mit den habsburgischen Ländern betrug die Zahl der Juden 2906 (in Niederösterreich gleichzeitig nur 337). Bald wurde unter der Herrschaft Kaiser Josefs II., und zwar durch die Judenordnung vom 7. Mai 1789 der poli-' tische Verband der Juden, wie er auf Grund ihrer Stellung im Königreich Polen bestanden hatte, beseitigt und die jüdische Gemeinde zu einer Einrichtung für rein jüdische Angelegenheiten umgewandelt, bis schließlich das Jahr 1867 durch die Schaffung autonomer Kultusgemeinden die noch -heute bestehende Ordnung brachte. Die Zahl der Juden ist von 2900 Seelen im Jahre 1776 auf 3880 (1802), 14 581 (1850) und 102 400 (1910) gestiegen. Ausführlich besprochen ist die wirtschaftliche Gliederung: Die Juden teilten sich mit den Armeniern im Handel des Landes. Die Armenier hatten — eine Nachwirkung der türkischen Herrschaft — den Großhandel inne, während die Juden dem Kleinhandel oblagen, bis sie sich allmählich die wirtschaftliche Stellung der Armenier aneigneten. Der Hander Bukowina fiel wurde durch die Wirtschaftskrise des Jahres 1873 arg beeinträchtigt. Dazu entzog die Erhöhung des rumänischen Zolltarifes (1886) dem Handel des Landes einen wesentlichen Teil seines bedeutendsten Absatzgebietes. Eine starke Auswanderung war die Folge. Soweit in der Bukowina (»ine Industrie vorhanden, war sie stets zu einem erheblichen Teile in Händen von Juden, Mineralölraffinerien, Sägewerke, Bierbrauereien, Zuckerfabriken, Mühlen und Branntweinbrennereien "wurden von Juden betrieben. Der jüdische Handwerkerstand war bereits zur Zeit des Anfalles des Landes an Österreich verbreitet und eingewurzelt. So erklärte die Militärverwaltung 1781, daß „die handwerkkundigen Juden im Lande unentbehrlich sind, weil nur sehr wenige christliche Handwerker sich vorfinden". Diese Überlieferung erhielt sich. 1911 betrug die Zahl der jüdischen Schüler an den gewerblichen Fortbildungsschulen des Landes 360 bei einer Gesamtzahl von 1219 Schülern. Landwirtschafttreibende Juden waren von jeher im Lande ansässig. Dies war den Versuchen Kaiser JoseFs IL, den Ackerbau unter den Juden zu verbreiten, förderlich. J. Kohrer schreibt 1804 in seinem „Versuch über die jüdischen Bewohner der Monarchie*', daß sich in der Bukowina ganze Judengemeinden der Feldwirtschaft widmen und ihre Äcker selbst bebauen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war ungefähr der zehnte Teil der jüdischen Bevölkerung des Landes in 150 Dorfgemeinden mit Landwirtschaft beschäftigt. Seit 1848 geriet der jüdische Bauernstand in Verfall. Eine jüdische Bauern gemeinde ist gegenwärtig nur noch Tereseheny. In der Umgebung dieses