Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 8 (25.1.1918)
- Article
- Kleine Geschichten
- Date
- 1918-01-25
- Page
- Seite 191 (sequence 2)
- Language
- German
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„Hör nur, mein Herz/ sagt er zu dem alten Weibchen, „erinnerst du dich nicht, meine Seele, wie der Besitzer hieß, von; dem der Vater von seinem Großvater das Gut gepachtet hatte." „Von Pscheschrschanski", sagt sie, „von Pscheschrschanski, Awrehmel." „Recht, recht, mein Herz, von Pscheschrschanski hieß er". Und sie stoßen auf sonderbare Weise mit der Zunge den Namen Pscheschrschanski aus. „Das ist wohl nicht sehr lange her, wie, mein Herz?" „Nicht lange, Awrehmel, nicht lange ist es her. Gewiß nicht länger als siebzig Jahre, Awrehmer, gibt ihm die Alte Bescheid. Und der jugendliche Alte erzählt mir mancherlei Geschichten und Anekdoten, bis spät, spat in die Nacht. „Komm, komm, Awrehmel, komm zu Bett!" Und das Altchen nimmt seinen Alten bei der Hand wie ein kleines Kind und führt ihn zu Bett. Nach einigen Augenblicken kommt sie allein zurück. In bequemer Kleidung, eine gestreifte Haube um den Kopf. Die Stecknadeln hält sie zwischen den Lippen. Sie setzt sich zu mir, wir plaudern e'ne gute Weile und können uns nicht genug daran tun. Das nicht ich rede, sie spricht, das alte Weibchen, und ich h „Ihr könnt Euch nicht vorstellen", sagt sie zu mir, \v sie den Kopf auf die vertrockneten Ellbogen stützt, „ihr . Euch nicht vorstellen, wie schwach mein Awrehmel in der letzten Zeit zu werden beginnt. Wenn er des Abends nur einq halbe Stunde länger als gewöhnlich aufbleibt, wird er müde und muß sich zur Ruhe legen. Doch — warum sollt" ich sündigen? Ich danke Gott auch dafür. Es gibt nicht viel solcher Awrehmel, wie mein Awrehmel ist. Nicht ein einziges Mal hatte ich — Gott behüte — von ihm Unehre. Kein krummes Wort von der ersten Stunde nach der Chuppe bis zum heutigen Tag, bis hundertundzwanzig Jahr. Was soll ich reden? Nichts, garnichts, rein gar nichts habe ich gegen ihn.' Und wir leben, gelobt sei Gott, zufrieden, wie es Gott geboten hat. Wir haben keine Vorwürfe gegen den droben, er machte es gut mit uns. Fremde Leute brauchen wir nicht anzugehen. Noch keines Fremden Güte haben wir in Anspruch genommen, gelobt sei Gott,"