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Neue jüdische Monatshefte · 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 170

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 7 (10.1.1918)
Article
[Rezension]
Date
1918-01-10
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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HO mählich eingeschlafen, und nur noch ausgewachsene Judenfeinde bcschUf-. tigten sich mit der jüdischdeutschen Mundart, um sie erstlich falsch darzustellen, und dann, um sie als vergiftetes Material gegen die Juden iiit8zubeuten. Erst der mächtige Aufschwung des jüdischen Nationalgefühls, besonders in den neunziger Jahren ,des abgelaufenen Jahrhunderts, hat zu neuerlicher Beschäftigung mit dem Jüdischdeutschen geführt, und das gerade zu einer Zeit, wo diese Sprache selbst sich neue Gebiete eroborte und wo sie innerlich und äußerlich gewachsen ist Aber zu einer modernen Frage der Gegenwart wurde außerhalb der jüdischnationalen Welt diese Sprachenfragc erst infolge dos großen Krieges und der in seinem Verlaufe erfolgten Besetzung Polens und Litauens durch . die deutschen Truppen. Die beiden Bücher, die Geheimrat S t r a c k über das Jüdischdeutscho veröffentlicht ' hat, sind deshalb besonders willkommen. Es ist einfach erstaunlich, mit welchem Fleiße der unermüdliche Mann das Sprachmaterial herbeigeschafft hat. Im allgemeinen war er auf die Literatur angewiesen und hat dem lebendigen Volksmunde nur wenig entnommen. Er gibt daher den Sprachschatz der verschiedenen Typen des geschriebenen und eigentlich nur des gedruckton Jüdischdeutschen wieder, und das muß um so mehr beachtet worden, als die Schriftsprache im Jiddischen erheblicher von der gesprochenen Volkssprache abweicht, als man eigentlich glauben sollte. Deshalb hat der Verfasser für das Wörterbuch mit Recht die hebräischen Typen beibehalten, um so mehr, als es ja dazu dienen soll, die verschiedenen Mundarten zu übersetzen, ebenso sehr das litauische wie das galizische, polnische oder südrussische Jiddisch. Es ist hier nicht der Ort, Einzelheiten richtigzustellen. Das Ganze ist so gut gearbeitet, daß es dem Verfasser ruhig überlassen werden kann, die Fehler der ersten Auflage in der hoffentlich bald erscheinenden zweiten auszumerzen. Im Gegensatz zum Wörterbuche hat Strack die Texte in Umschrift gegeben. Man muß es zugestehen, uali die Texte für das nicht sehr umfangreiche Heft außerordentlich geschickt gewählt sind. Erstlich geben sie ein gutes Bild von der Sprache. Und das ist die Hauptsache. Dann aber lassen sie doch einen kurzen Blick in Leben und Anschauungen der polnischen Juden werfen, die uns örtlich so nahe und dem westeuropäischen Denken scheinbar so fern sind. AbeT der Unterschied liegt vor allem in der Gefühlssphüre und nicht zum wenigsten in der gewissenhaften Moral der Ostjuden, die'ganz unter dem Banne ihrer überlieferten Lehre stehen. Von besonderem Werte ist der Abdruck des Aufrufes der Oberleitung der verbündeten deutschem und österreichischen Heere, in dem den polnischen Juden Befreiung und Freiheit versprochen wurden. Bei der sonst so einfachen und durchsichtigen Umschrift hat Strack einen Fehler gemacht. Er hat das Hebräische, das im Jiddischen eben nicht Hebräisch, sondern Jiddisch ist, nach der ßefardischen Aussprache des Hebräischen transskribiert. Das geht nicht an, und dem muß der Verfasser in der neuen Ausgabe dadurch abhelfen, daß er das Wort in jiddischer (aschkenasischer) Aussprache in den Text setzt, aber, seine bisherige Transskription in Klammem daneben als Erklärung gibt. Das Wörterbuch führt den Namen „J ü d i s c h e s Wörterbuch".^ Und das trifft nicht den Kein der Sache. Vielmehr ist einzig das Hebräische „Jüdisch", ohne weiteren Zusatz zu benennen. Es gibt allerlei Judendialekte : Jüdischdeutsch, Judenspanisch, Judenpersisch und viele andere solche Mundarten. Aber keine ist die „Jüdische" Sprache schlechthin. Das ist n u r das Hebräische. Das^andere sind durch jnittelaltcrliche Assimilation entstandene Mischdialckte, deren Bedeutung dadurch nicht herabgemindert wirdj daß man ihre Stellung dem Hebräischen gegenüber ins rechte Licht setzt. Hermann L. Strack hat sich durch die Herausgabe der beiden Bücher um das Jüdischdeutsche ein großes Verdienst erworben. Es wäre zu wünschen, wenn beide" Arbeiten eine ihrem Werte entsprechende Verbreitung fänden. Heinrich Loewe. Ä^iJJ^w??hS,l,cLtl,n,fr! *\IurtiP Goetz' Berlin-Charlottenburg. Verlag der Neuen Jüdischen Monatshef e, Berlin-München. Martin Goetz. Nachdruck der Beitrüffc den Tageszeitungen mit genauer Quellenangabe gestattet. Gedruckt bei Julius Sltlcnfdd, HoiWhdrueUcr., Berlin W.

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