Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 6 (25.12.1917)
- Article
- Über die Prophetie
- Date
- 1917-12-25
- Page
- Seite 144 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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144 Ich erkenne die Verdienste der bibelkritischen oder sagen wir besser der bibelwissenschaftlichen Forschungan und beklage mit Ihnen, daß bis jetzt von jüdischer Seite so wenig auf diesem Gebiete geleistet wurde. Nur glaube ich, daß ein bißchen intuitive Versenkung und ein warmes Gefühl den schlichten Bibelleser auch abseits von jeder Dogmatik in den Kernfragen mehr fördert, als der komplizierte anatomische Apparat der bibelkritischen Wissenschaft. Dann ergibt sich z. B. von selbst der Unterschied zwischen „Prophetu und „Ekstatiker" (obwohl beim Propheten das ekstatische Moment nicht fehlt!), und jedes noch so künstliche Schema, den Begriff „Prophet" cinzufangen, wirdvom lebendigen Inhalt gesprengt. Ist es möglich, dem Geheimnis der Prophetie bis in seine letzte abgründigste Tiefe hinabzuleuchten? Man darf nicht alles logisch oder rationalistisch zu erfassen suchen. Ich glaube, daß auch der Versuch, auf psychologischem Wege das Rätsel restlos auszuschöpfen, fohlschlagen wird. Man kann den Prophetismus auch nicht gut mit genialem Schaffen „in anderem Gewände'4 vergleichen. Ein bestimmtes Organ, der besondere „Sinn" oder „Instinkt" für prophetische Empfänglichkeit, ist dem jüdischen Volke abhanden gekommen. Ich will gern gestehen, daß mich hier ein Gefühl religiöser Art davon abhält, letzte Hüllen zurückschlagen zu wollen. Das ist allerdings, ich gebe es zu. nicht mehr ..wissenschaftlich" gedacht. Zu den Bemerkungen von Dr. Emil Levy Von Dr. Elias Auer b a c h In meiner Bücherschau „Uber die Prophetie" habe ich im wesentlichen nur referiert; die Gleichsetzung: Gott —- Sittliche Idee nach Kellermann. Herr Dr. Levy hat zweifellos recht damit, daß Gott dem Propheten als persönliche Macht gilt; aber das ist kein Widerspruch. Es hißt sich zeigen — jedoch nicht jetzt und hier —, daß der Aufbau der Gottesidee im Prophetismus auf jener Gleichsetzung ruht. Die übrigen Elemente dieser Idee, vor allem Gott als Schöpfer, sind sekundärer, z. T. auch zeitlich jüngerer Art. Es ist mir selbst lebendig bewußt, daß man die Prophetie nicht restlos rational „erklären" kann. Was aber möglich ist, das ist, ihr Verständnis von ihren Erscheinungen her noch ganz bedeutend zu vertiefen. Nur das wollte ich andeuten und anregen. Niedriger hängen! ^^TSerr Dr. jur. E. E* Schweizer legt Wert darauf, immer weitere Kreise ^■fjcmlfc seiüem Charakter, seinem Stil und seiner Lebensart bekannt äMsS)^ zu macnen« Um dabei zu fördern, wollen wir nach fridericianischer Art sein letztes, in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" Nr. 48, 1917, gegen uns gerichtetes Pasquill wörtlich abdrucken: „Die Ritterlichkeit des Herrn Professor Dr. Franz Oppenheimer Eine Erklärung Im »Freien Wort4 (erstes und zweites Oktoberheft 1917) habe ich einen Artikel veröffentlicht ,Die nationalistisch-klerikalen Strömungen im Judentum und ihre Gefahr für die Gewissensfreiheit der deutschen Juden*. Mit Ausführungen, deren wissenschaftlichen und religiösen Ernst kein Unbefangener verkennen konnte und die Interesse und Verständnis auch über die Kreise der deutschen Judenheit hinaus