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Neue jüdische Monatshefte · 1917-12-10 · Heft 5 (10.12.1917) · p. Seite 118

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 5 (10.12.1917)
Article
Die Juden als Träger europäischer Wirtschaftskultur in Palästina
Date
1917-12-10
Page
Seite 118 (sequence 7)
Language
German
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llö Palästina, verpflanzen, wird für die Weiterentwicklung einheimischer orientalischer Wirtschaft von ganz besonderer Bedeutung sein. Wir haben wohl nachgewiesen, daß kein orientalisches Land uns Analogien gibt für die Entwicklung Palästinas. Das heilige Land wird auch wirtschaftlich seine eigenen Wege gehen. Wir glauben nicht, daß seine? Bestimmung damit erschöpft ist, durch Aufnahme europäischer Wirtschaftstendenzen sich den ihm gebührenden Platz in der Weitwirtschaft zu erkämpfen. Wir glauben, daß — auch unter der führenden Mitwirkung von Juden — neue Wirtschaftsformen in dem jetzt so unbeachteten Lande entstehen werden. Sobald die Völker auf ein bestimmtes wirtschaftliches Niveau gelangt sind, wird ihre Lage gekennzeichnet durch den Kampf zwischen Kapital und Arbeit, der bisher an keiner Stelle der Welt zu einer befriedigenden Lösung geführt hat. Auch in Palästina ist er bereits entbrannt und an keiner Stelle der "Welt wird er mit größerer Inbrunst geführt werden wie im heiligen Lande. Denn Juden werden gegen Juden kämpfen. Und in keinem Volk der Welt ist der Selbständigkeitsdrang jedes einzelnen so stark ausgeprägt, wie im jüdischen. Man gehe durch die Ghettos Osteuropas, Londons, Amerikas, man wird keinen Juden finden, dessen Leben nicht dem Ziel gewidmet wäre, sich und seine Kinder wirtschaftlich unabhängig zu machen. Daher die überaus zahlreichen Kleingewerbetreibenden unter den Juden, daher aber auch die .verhältnismäßig starke Verbreitung des Marxismus schärfster Form unter dem jüdischen Proletariat. Wer als Einzelner nicht selbständig werden kann, der erstrebt dies als Mitglied der Klasse, die einmal die Verwaltung der Produktionsmittel übernimmt. Und jeder, der einmal diese Menschen gesehen, gesprochen hat, der weiß, daß noch ein jeder damit rechnet, diese Umwälzung selbst zu erleben. Das jüdische Volk hat niemals Klassenunterschiede gekannt; es ist ein geistiges Volk, kannte und kennt keinen anderen Adel als den geistigen. Dieses Bewußtsein, daß es nur die eigene Anlage ist, die über das Schicksal entscheidet, ist mit der jüdischen Seele tief verwurzelt und so ihr Selbständigkeitsdrang unausrottbar. Daher werden sich unter den Juden Palästinas viel schärfere wirtschaftliche Kämpfe abspielen als bei irgendeinem anderen Volke der Welt. Je intensiver der Kampf geführt wird, desto eher glauben wir an eine Lösung. Neue wirtschaftliche Formen werden entstehen! Welche? Wir wissen es nicht und wollen uns nicht in uferlosen Prophezeiungen verlieren. Vielleicht werden sie sich den Bahnen nähern, die Franz Oppenheimer vorausgesehen hat. Die Juden stehen geistig zwischen Abendland und Morgenland, vielleicht sind sie auch berufen, wirtschaftlich die Mittler zwischen europäischer und orientalischer Wirtschaft zu sein und neue Wirtschaftsformen dem Lande zu bereiten, das einst ihre Heimat war, und dem noch heuto die Sehnsucht ihrer Besten gehört.

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