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Neue jüdische Monatshefte · 1917-12-10 · Heft 5 (10.12.1917) · p. Seite 113

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 5 (10.12.1917)
Article
Die Juden als Träger europäischer Wirtschaftskultur in Palästina
Date
1917-12-10
Page
Seite 113 (sequence 2)
Language
German
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113 bestanden z. B. in Turkestan *) 1912 nur 6500 russische Wirtschaften (8000 Ansiedler waren noch nicht untergebracht), also ein verschwindend geringer Prozentsatz im Vergleich zu der Zahl der einheimischen Bevölkerung, die ca. 8i/2 Millionen beträgt. Und von einer schnellen Zunahme der Russen kann gar keine Rede sein. Einmal wird es noch Jahrzehnte dauern, bis sie sich dem Klima angepaßt haben, das besonders unter der heranwachsenden Generation sehr große Opfer fordert, und dann ist es sehr fraglich, ob das russische Reich in absehbarer Zeit eine genügende Menschenzahl zur Besiedlung Turkestans wird abzugeben haben. Die russischen Bevölkerungsverluste durch den Krieg sind erschreckend groß und lange Zeit wird vergehen, bis Rußland diese ausgeglichen haben wird. Sein eigenes Gebiet wird nach der Durchführung einer großzügigen Agrarreform seinem Bevölkerungsüberschuß bessere Erwerbsmöglichkeiten bieten als eine Besiedlung Turkestans und die Auswanderung aus dem eigentlichen Rußland wird sich, wie auch vor dem Kriege, mehr nach Sibirien wenden, da dort die Bedingungen weit günstiger sind als in Turkestan. In der Frage einer größeren europäischen Besiedlung weisen dio Verhältnisse in Ägypten keine bedeutenden Unterschiede zu denen Turkestans auf. In Ägypten, das nach der Bevölkerungszählung 1907: 11 U> Millionen Menschen ernährte, lebten damals kaum 150 000 Europäer, also 1—2% der einheimischen Bevölkerung, — der Anteil der Europäer hat sich auch in den letzten Jahren relativ kaum vermehrt —, und diese konzentrierten sich im allgemeinen auf die großen Städte des Landes, traten kaum jemals in enge wirtschaftliche Beziehungen zu den einheimischen Bauern. Insbesondere die Engländer, die dio Geschicke des Landes in den Händen haben, stehen dem Fellachen innerlich absolut fremd gegenüber. In seinem Buche „Das heutige Ägypten44 (2 Bände, Deutsch, Berlin 1908) schreibt Lord C romer: „Leute, die im Orient gelebt und versucht haben, mit den Eingeborenen zu verkehren, wissen, wie vollständig unmöglich es für die Europäer ist, dio Welt vom Gesichtspunkte des Orientalen zu betrachten. Eine Zeitlang mag der Europäer wohl glauben, daß er und der Orientale einander verstehen, aber früher oder später tritt der Moment ein, wo er plötzlich aus seinem Traume erwacht und er sich in Gesellschaft eines Menschen befindet, dessen Seele ihm so fremd ist, wie es die Seele eines Saturnbewohners sein würde." Diese Worte sind wohl charakteristisch genug und wir halten es auch für eine Illusion, zu erwarten, daß dem Engländer jemals eine andere Einstellung gegenüber dem Orientalen möglich ist. Die Anzahl der Europäer in der Türkei ist im Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung gering und dürfte sich auch nach dem Kriege nicht wesentlich vermehren. Die Türkei wird sich vielleicht von anderen Ländern Kapitalien leihen, wird Ärzte, Ingenieure, Professoren ins Land rufen; eine große europäische Einwanderung wird sie aus poli- *) Nach K r i v o s e i n, „Denkschrift des Chefs der Hauptverwaltung für Landeinrichtung und Landwirtschaft", Berlin 19IS.

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