Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 3-4 (10.11.1917)
- Article
- [Rezension] / L. R.
- Date
- 1917-11-10
- Page
- Seite 98 (sequence 1)
- Language
- German
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iilramlßOCTEaEaE liieraturblött ©ITgiTgssögfrgQT] Heinrich Graetz, eine Würdigung des Historikers und des Juden. (Zu seinem 100. Geburtstage, 31. Oktober 1917. 21. Chesckwan.) Von Dr. Josef MeisL Berlin 1917. Verlag von Louis Lamm. Eine mit Nutzen zu lesende Gelegenheitsschrift. Besonders dankenswert ist das mit anerkennenswertem Fleiß zusammengetragene biographische Material, wovon die auf die Palästinareise Graetz' bezug habenden Daten und namentlich der zum ersten Male veröffentlichte, gegen die Graetxsche „Denkschrift11 gerichtete hebräische „Protest der Spitzen der jüdischen Gemeinde zu Jerusalem" besondere Erwähnung verdienen. Um mehr als eine Gelege n heitsschrift zu sein, müßte schon der tragende Abschnitt über „Das Geschichtswerk11 statt allgemein gehaltene Bemerkungen und Darlegun- gen, in denen die referierende Wiedergabe des Inhalts des vielbändigen Geschichtswerkes einen allzugroßen Kaum einnimmt, — eine in die Tiefe gehende Erörterung der historischen Methode und der gosehichtsphilosophischen Grundideen des deutschen Idealismus und der unter seinem Einfluß stehenden modern-jüdischen Geschichtsbetrachtung enthalten. Es müßte der Niederschlag der großen gestaltenden Ideen des historischen Idealismus eines Hegel, Humboldt und Ranke auf die geschichtliche Denkweise des Verfassers der „Konstruktion der jüdischen Geschichte11 (1846) aufgedeckt und auf die Vielfältigkeit der variierenden und modifizierenden Elemente und Dispositionen hingewiesen werden, die für die Artung und — Ausartung der idealistischen Konzeption gerade im geschichtlichen Denken des Judentums bestimmend wurden. Und: der rückwärtsgewandten Betrachtung müßte sich eine moderne Kritik des idealistischen Grundprinzips zugesellen, die Ablösung der idealistisch-individualistischen Denkrichtung durch den historischen Realismus und Kollektivismus, die Linie, die von Ranke — Graetzens Vorbild — zu Karl Lamprecht und der modernen Geschichtsschreibung führt! Woraus sich vielleicht die Grundlinien und Aufgabeneiner modernen jüdischen Historik, ihre Entwicklungsmöglichkeiten und Ziele ergeben hätten. Dies alles zu vermissen, fällt schließlich auch in einer einigermaßen anspruchsvollen, zur hundertmaligen Jährung des Geburtstages Heinrich Graetzs erscheinenden Gelegenheitsschrift schwer. Immerhin hat der auf diesem eigentlichen Gebiete seines Themas offenbar kaum zuständige Verfasser eine in allgemein biographischer und auch literarhistorischer Hinsicht beachtenswerte und verdienstliche Arbeit geliefert. Daß er aber Greatz ebenso rühmend zum „Natianaijuden" stempeln möchte, wie ihn bereits anno 18S0 Hermann . Cahe« als den Typus eines „Palästinensers14 brandmarkte, ist entschieden ein recht müßiges Unterfangen. Zwischen dem Wortnationalismus und der modern-jüdischen lebendigen Volksidec liegt eine nicht weniger tiefe Kluft, wie zwischen dem liebevoll philantropisicrenden „Palästinenser" und Chalukareformator Graetz und jenen großen Männern der Kattowitzer Konferenz der C h owewe-Zion vom Jahre 1884, denen er völlig verständnislos den Rücken wandte, als er in ihnen die wirklichen „Palästinenser" erkennen mußte. L. R. \ erannvörtlich für die Sehr Weitung: Martin Goet?,, BerUn-Charlottenburff. Verlaßder ^euen Jüdischen Monatshef c, Berlin-München. Martin Goetz. Nachdruck der Boftrilge deni lußcszoltumreii mit genauer Quellenangabe ^stattet. Gedruckt bei Julius Sittenfeld, Hofbachdrucker, Berlin W