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Neue jüdische Monatshefte · 1917-10-25 · Heft 2 (25.10.1917) · p. Seite 50

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 2 (25.10.1917)
Article
Deutschland [Nachricht]
Date
1917-10-25
Page
Seite 50 (sequence 1)
Language
German
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50!S30DODlIDOIl©Oi] Umschau 0000073 {TTjjFJjn] Deutschland In der Nr. 21 unserer Monats-, hefte brachten wir die Nachricht von der Ernennung des Herrn Leutnant Hermann Struck zum Dezernenten für jüdische- Angelegenheit beim Oberbefehlshaber Ost. Diese Ernennung gab dem antisemitischen 'Reichstagsabgeordneten Dr. Werner die Veranlassung, eine kurze Anfrage an den Reichskanzler zu stellen. Der Reichskanzler hat Herrn Dr. Werner folgende Antwort erteilt: „Bei der politischen Abteilung des Stabes Ober-Ost ist ein Referat für jüdische Angelegenheiten eingerichtet, weil die Eigenart der Ostjuden besondere Kenntnisse erfordert. Deutsche Rechte und Interessen werden durch jeden Mann des Ostheeres und besonders durch die Militärverwaltung gewahrt. Außerdem ist schon lange bei Ober-Ost ein besonderer Referent für Angelegenheiten Deutseher vorhanden.'4 ©flDGOGOnO 03011013 liferaturblaü Die einzige auf unsere Tage gekommene Heldensago der Babylonier ist das Gilgamesch-Epos, die Erzählung von den Heldentaten des Königs von Uruk, der — zu drei Vierteln Gott, zu einem Viertel Mensch—mächtige Werke gemeinsam mit seinem starken Freunde Enkidu tut, nach dessen Tode auf die Suche nach dem ewigen Leben auszieht und schließlich doch das Schicksal aller Menschen, den bitteren Tod, erleiden muß. Eine Fülle von Abenteuern, die vermutlich ursprünglich zum Teil selbständige SagcnstoiTc gewesen sind, ist hier mit großer dichterischer Kraft zu einem geschlossenen Kunstwerk zusammengefügt. Die Form allerdings, in der das Epos erhalten ist, läßt nicht y,u, es künstlerisch zu genießen. Es wurde bei den Ausgrabungen auf der Stlitte von Kujundschik (Niniveli) in der Bibliothek des Königs Asurbanipal in mehreren fragmentarischen Exemplaren aufgefunden. Auch der mühsam rekonstruierte Text weist allenthalben große Lücken auf und ist daher für den Laien auch in der deutschen Übersetzung kaum verständlich. Es wäre bedauerlich, wenn die Dichtung, nachdem sie aus jahrtausendaltem Grabe wieder auferstanden, verurteilt geblieben wäre, ein nur philologisches Leben in Bibliotheken und Gelehrtenstuben zu fristen. . Georg E. Burckhardt verdient großen Dank, daß er die*Bruchstücke in zugleich treuer und kühner Nachdichtung zu einem künstlerischen Ganzen gestaltet hat und damit eines 1>«3S Gügamcsdt-Epos der schönsten Werke der alten Literatur wieder zu wirklichem Leben erweckt hat1). Vielleicht wa'ro die dichterische Wirkung noch echter und tiefer, wenn Burckhardt sich bei stu'ncr Nachdichtung gebundener Rede bedient hätte, nach dem Vorbilde der übrigen Heldenepen der Weltliteratur; die von ihm gebrauchte getragene Prosa — nach dem Muster etwa der " Lutherschen Bibelübersetzung — taucht das Ganxe für mein Empfinden zu sehr in eine religiös-pathetische Stimmung. Dies ist jedoch schließlich Frage des persönlichen Geschmacks. An dieser Stelle sei noch hervorgehoben, was das Epos der besonderen Anteilnahme jüdischer Leser wert erscheinen läßt. Gilgamesch ist nach der Meinung namhafter Gelehrter identisch mit dem aus der Bibel und Abrahamsage bekannten König Nimrod. Uruk ist das biblische Erek (Mos. I, 10, 10). Die 11. Tafel des Epos enthält die babylonische Sintfluterzählung, die zu interessanten Vergleichen mit der biblischen anregt: die babylonische ist dichterisch bewegter und reicher an Einzelzügen; durch die entschieden monotheistische und moralische Gestaltung aber gewinnt die jüdische an Wucht und Geschlossenheit. Dr. S. Feuchtwanger, München. l) Gilgamesch, eine Erzählung aus dem alten Orient zu einem Ganzen gestaltet von G. E. Burckhardt, Insolverlag Leipzig, Inselbücherei Nr. 203, Preis 0,G0 M. Vcrr-iitv/ortUch für die Schrlftleitwif?: Martin Goetz, Berlin-Cbarlottcnbunr. J-.cuea .Jüdischen Monatshefte, Berlin-München. Martin Goetz. Nachdruck den Tageszeitungen mit genaue? Quellenan^abe gestattet. Gedruckt bei Julius Sittenfeld, Hofbuchdrucker., Berlin W. der Beftrüge

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