Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 1 (10.10.1917)
- Article
- Ich bin es
- Date
- 1917-10-10
- Page
- Seite 21 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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21 und frug auch nicht noch einmal, wer da sei. Als aber der Draußen- -stchende nach weiterem Pochen keine Antwort erhielt und ihn fragte: „Aron, weshalb öffnest du nicht?" erwiderte der Karliner: „Wer ist es, der sich untersteht zu sagen: ,Ich bin es'. Das Wort hat Gott .•gesagt, als er uns mit Feuer und Donner die Thora gab, aber kein .Mensch darf so sprechen." Sein Freund sah nun ein, daß er mit seiner Ausbildung in den frommen Lehren noch nicht fertig sei, und kehrte, ohne den Karliner gesehen zu haben, nach Mizricz zurück. (Mitgeteilt von Chaim Bloch.) Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft Von Hermann Cohen 18. Einheit oder Einzigkeit Gottes I. STCg^fie Einheit ist das fundamentalste und universellste Mittel des *j fei 1W ^en^ens- Denken ist überhaupt daher das Denken der Einheit. ^A.V^y> Denn Denken ist Vereinigung alles dessen, was ihm als Matena! dient. Alles Material, welches von der Wahrnehmung und der Vorstellung aller Art dem Denken dargeboten wird, es wird dadurch zu einem Inhalt des Denkens, daß es vom Denken in eine Einheit verwandelt wird. Die t Einheit bildet daher der Charakter des Geistes. Für die Geschichte des religiösen Problems insbesondere ist es von grundlegender Bedeutung, daß mit dem ersten Auftreten des Gedankens der Einheit zugleich auch der Gedanke Gottes in die Philosophie eintritt. Xenophanes war der erste griechische Denker, der diese beiden Begriffe, Einheit und Gott, zusammenfügte. Es ist jedoch ebenso grundlegend, daß diese Verbindung von Einheit und Gott bei ihm vermittelt wurde durch den Begriff der Welt. Den Kosmos zuerst erdachte Xenophanes als eine Einheit und er befreite dadurch sein Bewußtsein von der Gewalt, mit welcher die Vielheit der Erscheinungen den Blick auf den Kosmos beherrscht; er schaute diese Vielheit und Mannigfaltigkeit der Dinge in eine Einheit zusammen. Nun aber geschah zugleich das andere Wunder: daß er nicht stehen blieb bei dieser gewonnenen Einheit des Kosmos, sondern daß er zugleich sie übertrug auf den Gedanken Gottes. Diese Einheit des Kosmos, sagte er, sei Gott. So lautet die Überlieferung. Wie ist es nun aber zu verstehen, daß Xenophanes sich nicht damit begnügte, die Einheit des Kosmos zu denken, und in dieser Einheit das Wesen des Denkens überhaupt vorbereitend zu begründen, sondern daß er diese große Errungenschaft von der Einheit des Kosmos auf das bisher mythologische Problem Gottes hinübertrug und kraft des Gedankens der Einheit die Einheit Gottes erdachte, nicht nur die Einheit der Welt? Xenophanes wird durch diese Übertragung zum Vor-