Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1917-09-10 · Heft 23-24 (10.9.1917) · p. Seite 695

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 23-24 (10.9.1917)
Article
Königin Sabbat
Date
1917-09-10
Page
Seite 695 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2908689-2908690-2908713-2910152--1105-2910210
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

695 „Nimm Mutter, meine Mutter, mich zu Dir!*4 Die Ehrfurchtbare sah mich an,, wie Mütter herzgeliebte Kinder . . Sie hob die rechte Hand, .von Tränen überschimmert, und zog die Stufen mich empor. Sie grüßte mich in Trauer, Mitleid war ihr Blick. Da sprach ich zu ihr: „Weis1 Dich mir in Deiner Schönheit, meine Mutter.41 Sie küßte meine Stirn, und wie der Abendhimmel so lieblich röteten sich ihre Wangen, Duft nie erdachter Blumen hauchte um ihr Sein. Da sah ich glückesyoll in ihre Augen, in denen Bilder sonder Zahl in Frieden träumten. Der ganzen Welt Gebete ruhen zwischen ihren Lippen, als sie die Worte spricht: „Chajim, mein Kind, leb wohl. Ich muß jetzt scheiden. Dein Traum verrinnt, wir müssen Abschied nehmen. Denn niemals gleicht ein Traum dem zweiten. Darum mußt Du mich suchen. Weißt Du wann?" „Wenn übers weiße Dörfchen Maienregen zieht, Der Erde gibt er Kraft und schenkt ihr Früchte. Er naht mit Blitz und Donnerschlägen. Doch in der Finsternis liegt Licht, und in dem Tropfenfall kannst Du dem Rascheln meines Kleides lauschen." „Wenn Wind im goldenen Felde weht, Gedanken segensvoll aus Büchern steigen, dann, Chajim, mein Kind, sollst Du mich suchen." In ein demantbesetztes rundes Fenster entschwand ihr lächelnd Antlitz meinen Blicken. Von irgendher schwang blauer Rauch, und seine Wölkchen blühten auf zu Blumen. In sie gebettet war die Büchse der Gewürze. Da sprach ich über sie den Segen der Hawdalah: „Du scheidest Heiliges von Ungeheiligtem . . und •— wachte auf. Vorüber war der Sturm. Die Luft stand rein. In Stille feierte die Welt. Und nur die Himmel, die die Ehre Gottes künden, priesen in Andacht: Du schickst Deinen Sturm; da sind sie wie die erst Geschaffenen. Du Herr erneust das Angesicht der Erde . . . (Dem Jüdischen des A. Zeitlin nachgebildet von Lotte H. Robinsohn.) in Sabbatnachmittag. Das Städtchen liegt still wie im Schlafe da. Auf den Bänken vor den Haustüren sitzen Schneiderällsä gesellen mit weißen sabbatlichen Hemdkragen und werfen Blicke den Dienstmädchen zu, die in sauberen Kleidern züchtig auf- und abspazieren. Reb Anschel Weinbaum, der angesehenste Bürger des Städtchens, geht mit seinem Enkelsohn Jidele über die Gasse zum Fluß spazieren. Am fremden Strom Von Scholem Asch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.