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Neue jüdische Monatshefte · 1917-09-10 · Heft 23-24 (10.9.1917) · p. Seite 693

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 23-24 (10.9.1917)
Article
Königin Sabbat
Date
1917-09-10
Page
Seite 693 (sequence 2)
Language
German
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693 Beim Flackern eines armseligen Lichtes hockte ich einsam auf meinem Lager. Meine Tränen strömten. Wie ein erschrockenes Kind war meine Seele. Auf einmal ward der Lichtschein golden wie ein holder Tag und danach blau. Der Sturm jagte die vier Wände auseinander, er zerriß die Fensterladen und hob das Dach über meinem Haupte hinweg. Das Licht erlosch, und ich blieb allein mit meiner Angst und mit meinem Gott. Tief überfiel mich Schlaf, und ein Traum umfing mich, wie Wasser um eine verlorene Insel spült. Aus einem Meer blauen Glanzes hob sich die Gestalt eines Greises. Es war der Prophet Elijah. Von seiner Stirn strahlte das Licht der sechs Schöpfungstage, und in seiner Hand hielt er den Stab, den Gott im Kuß gesiegelt. Zwischen seinen Brauen loderten die Gedanken, und in seinen Augen schwamm ein Abend ohne Stern. Er erhob seine Stimme und sprach zu mir: „Folgt mir! Heb Chajim! Zur Königin Sabbat will ich Euch führen. Denn bald scheidet sie von der Erde." Sein bläulichsilberner Bart ward von ihm beweget, der Stab wies ins Weite. Da dehnte sich vor mir ein Feld, über dem sich mit dreitausend Sternen die Nacht wölbte. Aber dunkel war es, und in seiner Mitte «treckte sich ein-nacktes Schwert, und im schwarzen Licht hüben Vögel an wie auf Harfen zu spielen. „Die Erhabenheit Gottes in ihrer Kehle und ein zweizüngig Schwert in ihren Händen.44 Aus ihrer Kehle hallte Harfenklang, in ihren Fängen hielten sie das Schwert. „Vater, Vater — schreie ich auf — wohin?" „Zum Quell des Lebens!'4 — sagt er und sieht mich voll Erbarmen an. Wir schreiten weiter, und es flattern Gestalten um uns, ohne Zahl . , . ohne Ende . . . Flämmchen zucken auf . . . Flämmchen ruhen . . . Hüpft die Quelle am Wegerain: Laßt uns fröhlich sein! . Glänzt ein Stern wie Edelgestein von des Erhabenen Thron: Laßt uns fröhlich sein! Und wir tanzen . . . fort . . . irgendwohin, da Himmel und Erde einander küssen. In schauriges Eis, erquickendes Grün. Silbern der Himmel! Schwarz der Wald! „Öffne Dich! Wald, mein Wald!1' Der Prophet drängte seine zornigen Brauen gegeneinander, der bläulichsilberne Bart ward von ihm bewegt, der Stab wies ins Weite. Wald neigte sich aus seiner Starre, schlug sich auf wie ein großes düsteres Buch und ließ der Schrift Geheimnisse entfliehen. Doch erschrocken vor dem Bück Elijahs verging er. Und auf den Fittichen der Allmacht Gottes zog eine verirrte Welt hin. Wie im Satz geschrieben ist: „Wie auf Adlersflügeln trägt er sie und wacht über seine Kinder."

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