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Neue jüdische Monatshefte · 1917-08-25 · Heft 22 (25.8.1917) · p. Seite 656

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 22 (25.8.1917)
Article
Notizen zur Gemeindepolitik
Date
1917-08-25
Page
Seite 656 (sequence 2)
Language
German
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656 Abschl uß von Wahlkomproraissen nicht ausschließlich Wert darauf zu legen, den Parteien und ihren Vertretern eine gewisse Anzahl von Sitzen einzuräumen, sondern sich auf sachliche Forderungen der praktischen Gemeindearbeit zu einigen, die in der Wahlperiode zur Erledigung zu kommen haben. Wenn man z. B. die Einführung eines modernen Steuersystems, die Vornahme konstitutioneller Maßnahmen, die Einführung des Proportionalwahlrechts, die Einrichtung von guten Schulen, sozialen Anstalten usw. zur Grundlage eines Komp romisses machen würde, würde man damit Schwierigkeiten von der jetst vorliegenden Art beseitigt haben. Dann würden beide Parteien an dem vereinbarten Ausbau der Verwaltung arbeiten müssen, uud beide hätten ein gleiches Interresso an der Erledigung der für die Wahlzeit vereinbarten Geschäfte. Vielleicht kann die Krisis damit überwunden werden, daß bei den bevorstehendenNeu wählen eine Einigung auf materieller Grundlage für einige Arbeitsgebiete erfolgt. Am sichersten würde aber die Wiederkehr des jetzt eingetretenen Zustandes durch Einführung von Proportionalwahlen vermieden werden. Es ist höchste Zeit, daß die Berliner Gemeindesich dazu entschließt, das von ihr längst beschlossene Proportionalwahlrecht endlich auch einzuführen. Auf diese Einführung in Berlin warten bereits viele Gemeindenim Lande, die jetzt nur noch den Berliner Aufschub zum Vorwand für ihre Lässigkeit nehmen. Es steht zu erwarten, daß, wenn Berlin vorangeht, die Einführung des Proportionalwahlrechts in anderen Großgemeinden sehr schnell folgen wird. Posen, den U. August 1917. Dr. Max Kollenscher ©f»JÜB®Ö3!IlÖ3iIB Liieraturblati 003 00303(11100 Polnische Dichter über pohtisdtc Juden» Wie ein Anachronismus muten uns die menschlich-dichterischen Dokumente aus einer Zeit, in der die Dichter Polens sich in die wogende Flut des fremden Lebens versenkten und aus ihr Stoff zu Werken schöpften, die zu einem umfänglichen „Novellenbuch" verflochten, eben bei Georg Müller in München herausgekommen sind1). Wir erkennen sie in ihrer neuen Gewandung alle wieder: den bis auf die unwahrscheinliche Mimerei blutechten Reb Schimschel, den „starken Simson", den alten „Mendel Gnesner" und die „Chawa Rübin",, die arme Frau des würdigen Chassids Reb Simche, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Überhaupt diese jüdischen Handelsfrauen, von deren Repräsentantin, des „starken Simon" armen, glücklichen Frau Zipa, gesagt wird, „sie habe in der Praxis eine nationalökonomische Frage gelöst, deren Lösung aller Welt ein schweres Problem galt: die Gleichstellung der Frau im Erwerbsleben! — Zipa hat die ideale Lösung gefunden, denn sie erhält seit zwölf Jahren ihren Mann und ihre l) Von polnischen Juden-Novellen und Skizzen polnischer Dichter. München 1917, hei Georg Müller. fünf Kinder durch ihre Unternehmungen, die sämtlich auf einem Kapital von dreißig Rubeln fußen!" Und die ergreifende Geschichte der Chawa Rubin, des alten empfindsamen Alexander Swientochowski, aus einer Zeit, da er noch mitzulieben, nicht mitzuhassen da war» („Arme, arme Chawa! Ich vorgebe dir, daß du in meinem Vaterlande arbeiten und mit dessen Brot deine Kinder ernähren wolltest!") Von Liebe geschaut und mit dichterischer Kraft gestaltet sind sie alle, umgeben von einem zarten Hauch hoher Menschlichkeit und um: glänzt von der Strahlengloria der Schmerzen. Märtyrer und Heilige waren die Söhne dieses Volkes dazumal, nicht „irrende Mäuse", denen das Gift des Hassos in allen Ecken auflauerte. Dem schönen Buche aber sind viele, viele Leser zu wünschen. Unter Juden und Nichtjuden. Auf daß vergangenes und gegenwärtiges Leben dieses Volkes durch das Medium edlen Menschentums und erlebnisstarken Dichtertums aus den verschollenen Zeiten eines blütengesegneten, aber leider leider so fruchtarmen polnischen Humanismus dem Blicke eines Spätgeborenen offenbar wird. L. R. Verantwortlich Sur die Schrlltlcltung: Martin Goetz, Berlln-Charlottenburg. Verlag der Neuen «Jüdischen Monatshefte, Berlin-München. Martin Goetz. Nachdruck der Beiträge den Tageszeitungen mit genauer Quellenangabe gestattet. Gedruckt bei Julius Sittenleid, Hoibuchdrucker., Berlin W

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