Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 22 (25.8.1917)
- Article
- Gedanken über das Judentum
- Date
- 1917-08-25
- Page
- Seite 652 (sequence 2)
- Language
- German
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652 Hess und Herzl. Hess war ein Seher, Herzl ein SUer. Wer nehmen will, dem wird gegeben. Wir haben das Nehmenwollen nur im materiellen Sinne geüllt und gekannt. Im höheren, sozialen, politischen Sinne haben wir es verlernt und die Kunst nie geübt. Väter und Söhne. Jüdischer Ahnen Geld war ihr Geist. Jüdischer Enkel Geist ist ihr Geld. Aufklärung unserer Mißerfolge. Den Völkern geht es wie dem Landwirte. Er sät, ackert, erntet. Andere Völker ernten schon. Wir säen erst. Die Gegenwart ist für das Judentum eine Übergangszeit zwischen Ghetto und Zion. Noch haben wir alle Mängel des Ghettos und noch gar keine Vorzüge Zions. Der Weltkrieg. I. Er hat große Verheerungen angerichtet: Hunterttausende jüdischer Leiber, Millionen jüdischen Volksvermögens vernichtet. Er tat noch Schlimmeres — er vernichtete die jüdische Gasse. Obdachlos wurden nicht nur Menschen, sondern die jüdische Seele. II. Wenn der Weltkrieg nur eines wenigstens schont: Herzls Saat. Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft Von Hermann Cohen Der Prophetismus und die Soziologie ff|^^*er Materialismus der Geschichtsschreibung besteht darin, daß er $ fög*m die gesamte Kultur in allen ihren Leistungen und Bestrebungen $J^2^% aus dem Zwange der wirtschaftlichen Bedingungen herzuleiten sucht. Unter diesem Gesichtspunkte verlieren die rein geistigen Kräfte ihre schöpferische Selbständigkeit, und die sittlichen Ideen werden zu Ausgeburten der wirtschaftlichen Bedürfnisse und Beweggründe. Dieser Einseitigkeit gegenüber bringt die Soziologie Musterung und Ordnung in die Triebkräfte der Kultur, läßt keine derselben von den anderen unterdrückt werden, sondern sucht ihre Wechselwirkung und gegenseitige Durchdringung zu erforschen und durchsichtig zu machen. Ihr leitender Gesichtspunkt muß daher bleiben, die Eigenart aller Kulturkräfte aufrechtzuerhalten, so daß durchaus nicht die Wirtschaft als die alleinige. Grundkraft der Kultur gelten darf, sondern daß die geistigen und sittlichen Ideen in dem Geheimnis ihrer Originalität gewahrt bleiben, desson allmähliche Lichtung, wenngleich unter der Berücksichtigung aller anderen Kulturtendcnzen, dennoch für ihre Eigentümlichkeit der Geistesgeschichte allein vorbehalten bleiben muß.