Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 19 (10.7.1917)
- Article
- 1861
- Date
- 1917-07-10
- Page
- Seite 566 (sequence 1)
- Language
- German
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1861 Von Hugo Salus ^Aßiuf dem Schloßplötz zu Warschau die wogende Menge, ^¥ Knieendes Polenvolk, Judengedränge, ä^blw Christen und Juden, sonst wutende Feinde, Aber im Russenha& eine Gemeinde, Alle mit himmclauflodernden Armen: „Gott, hab' doch endlich mit uns Erbarmen, Sieh, wir knien vor Dir hier im Sand, Gib uns zurück unser Vaterland!" Vor dem Schlosse die Russenkanonen Brüllen: wir wollen's euch schon entlohnen, Freches Gesindel, Juden und Polen, Euch wird zusammen der Teufel holen! Schüsse krachen, Kugeln streichen, Da gibt's nur eines: fliehn und entweichen! ^olen hier, ihr Bischof voran, Juden dort um den Bibelmann. Sie entfliehn und treffen sich wieder Auf dem Marktplatz; sie jubeln: „Brüder, Brüder, wir halten innig zusammen, Wenn wir auch nicht einem Volke entstammen; Polen sind wir und werden wir bleiben, Wenn uns die Russen auch immer vertreiben!" Bischof und Rabbi stehn bei einand Und sie reichen sich stumm die Hand. Und so schreiten sie stumm vor der Menge, Polen und Juden, ein wogend Gedränge, Und sie ziehn durch des Domes Pforten, Lauschen gemeinsam des Bischofs Worten, Und aus dem Dom, ihr Polenlied singend, Ihre Hüte und Käppchen schwingend, Ziehn sie zusamm' in den Tempel ein: „Brüder, nur Brüder wollen wir sein!" Jetzt haben alle den Tempel verlassen Und ziehn jubelnd durch Warschaus Gassen. Finster der Tempel In seinem Talare Steht nur der Rabbi bei dem Altäre, Seufzt vor sich hin, gequält und gepeinigt: „Heute sind sie mit uns vereinigt! Morgen eint wieder, ich kenne das, Russen und Polen ein anderer Ha&!"