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Neue jüdische Monatshefte · 1917-06-25 · Heft 18 (25.6.1917) · p. Seite 541

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 18 (25.6.1917)
Article
Holland
Date
1917-06-25
Page
Seite 541 (sequence 2)
Language
German
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541 ein paar hundert koschere Mahlzeiten täglich, die den orthodoxen Emigranten abwechslungsweise verabreicht wurden. Nach mehreren Wochen gelang es den Herren vom erwähnten Komitee, mit Unterstützung einer gewissen holländischen niicht-jüdischen Persönlichkeit, die Diroktion der Holland-Amerika-Linie für die Errichtung einer rituellen Küche zu gewannen. Alle Emigranten, mit denen wir zu sprechen Gelegenheit hatten, meist intelligente Personen, sprachen mit großer Anerkennung vom Entgegenkommen der erwähnten Schiffahrt sgesellschaft und von der freundlichen Behandlung seitens ihrer Beamten. Das Passahfest brachten die Emigranten in den Räumen der Gesellschaft auf hergebrachter Weise zu. Für die Speisung war vollkommen gesorgt. Mehrere hundert Flaschen Wein stellten Rotterdamer Juden zu. Die Emigranten haben sich schon so häuslich eingerichtet, daß sie sogar für die Erziehung ihrer Kinder Schritte unternommen haben. Ein aus Emdgranten bestehendes Komitee hat eine Art Cheder eingerichtet, in dem Hebräisch, die Bibel und sogar Talmud unterrichtet wird. Die Schule wird von hundert Knaben besucht, Lehrer und Schüler sind Reisegefährten. Ohne Sprachenkampf ging es aber leider auch hier nicht. Eine Gruppe von Emigranten hat mit finanzieller Unterstützung des nissischen Konsulats einen russischen Kurs für die EmigrantenkiRder errichtet und macht dem erwähnten Clieder Konkurrenz. Was ddo Kleinen mit der russischen Sprache in Amerika anfangen sollen, ist allerdings nicht einzusehen. Damit ist dio Kulturarbeit in den Räumen der Holland-Amerika-Linie nicht erschöpft. Auch alte, fast erblindete Männer und Frauen haban wir beim Unterricht angetroffen. Die jüngeren, intelligenteren Emigranten bemühen sich, ihnen das Lesen und Schreiben in jiddischer Sprache beizubringen, um sie Amerikas würdig zu machen und sie zu befähigen, das in den Vereinigten Staaten eingeführte Bildungsexamen zu bestehen. Da keine jiddischen Bücher zu bekommen waren, so bediente man sich bei diesem Unterricht mit jiddischen Literaturprodiikten des Norddeutschen Lloyd (Rcklamehcfte), mit denen die Beamten der Hollaml- Amerika-Linie aufwarten konnten. Mehr als alles hat mich dieser sonderbare Sprachunterricht gerUJirt. Auch ein Kurs in englischer Sprache wird von einem unternehmenden Herrn unter den Emigranten geführt. Der Besuch dieses Kurses, der 50 holländische Cents pro Woche kostet, ist für viele Emigranten, dde aller Mittel bar sind, ein unerreichbares Ideal. Worüber die Jugend beiden Geschlechtes am meisten klagte, war der Mangel an jiddischen Büchern und Zeitungen. Wir sind eben das „Volk des Buches". Unter den Emigranten ereignete sich eine ziemlich großö Anzahl von Hauterkrankungen. Die Erkrankten wurden isoliert. Zurzeit sind alle wiederhergestellt, L. Ch. Lüeraturblaü EEE&BUBmm Syrien als Wtristh&fisgcbiei Unter diesem Titel ist soeben ein umfangreiches Werk von Dr. R u p p i n *) erschienen, herausgegeben vom kolonialwirtschaftlichen *) „Syrien als Wirtschaftsgebiet" von Dr. A. Ruppin. Verlag: Kolonialwirtschaftliches Komitee im Buchhandel zu beziehen durch E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1917. 418 S. Kart, Preis 8 M. Komitee. Das Buch füllt zweifellos eine in der deutschen Literatur vorhandene Lücke aus, da man außer Spezialarbeiten keine dio. gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse Syriens behandelndo Arbeit zur Orientierung besaß. Ein umständliches Studium der verschiedenen Konsulatsberichto mit ihren oft widerspruchsvollen Angaben war daher die einzige Möglichkeit, sich über dieses wahrscheinlich

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