Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 18 (25.6.1917)
- Article
- Die Ideologie des polnischen Antisemitismus
- Date
- 1917-06-25
- Page
- Seite 520 (sequence 6)
- Language
- German
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520 werdet? Und was wird werden, wenn der Bauer nach wie vor nur Produzent bleibt? und derjenige, der-diesen Produzenten mit dem Konsumenten verbindet, ein Fremder bleibt? Das ist eine gefährliche Lage. Und deshalb rede ich aufrichtig und offen und ermahne euch: die Lage ist gefährlich! Es Ist ein Augenblick, in dem man sich sagen muß: mandarf nichtdem Feind die Tür unserer Festung auftun, denn er wird uns entwaffnen!" Soweit Herr Ilski. Man mußte den Ton dieser Rede hören! Mau brauchte nur die Gebärden zu sehen," mit denen er seine Worte begleitete; man brauchte nur diese Rede in Zusammenhang mit anderen Reden seiner Kollegen zu bringen, um zu verstehen, worauf das alles hinzielt. Der assimilatorische Ratsmann Leo Berensohn hatte somit vollständig Recht, als er sagte: „Herr Ilski hat schon manchmal nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gesten zu den Juden gesprochen. Mit diesen Gesten, die von der Rache des gemeinen Volkes sprechen, mit diesen Geston, mit welchen der Pöbel zur Rache aufgefordert wird. Uns Juden ermahnen diese G es ten an zerschnittene Bäuche und herausgeschnittene Brüste in den Straßen von Kischiniew, an diese Hölle, in die Herr llski auch das polnische Volk stürzen w i 11." Nationale Gleichstellung der Juden in Ober-Ost S |j^0ekanntlich ist durch Verfügung der russischen Regierung vom isflHn ^* April 1917 die russische Judengesetzgebung aufgehoben fJJJä^l worden. Bereits im Spätherbst 1916 wurde gelegentlich eines Besuches der Leiter des Komitees für den Osten an den Oberbefehlshaber Ost die Bitte gerichtet, die Aufhebung auch für die der Verwaltung Ober-Ost unterstehenden Gebiete von Litauen, Kurland, Suwalki usw. anzuordnen. Es erfolgte darauf eine Einladung des Komitees durch den Chef des Generalstabes, und in dem Einladungsschreiben wurden zu gleicher Zeit die Grundsätze mitgeteilt, welche bereits seit einiger Zeit die Verwaltung bei ihrer Behandlung der Judenfrage festgelegt hatte. Diese Prinzipien, welche von großem Wohlwollen und Gerechtigkeitssinn zeugen, sind auch später mündlich den Herren des Komitees näher erläutert worden. Der Oberbefehlshaber Ost vertritt hinsichtlich der Geltung der russischen Gesetze im Verwaltungsgebiete Ober-Ost den Standpunkt, daß die verschiedenen Völker Stämme des Befehlsbereichs von allen deutschen Behörden gleichmäßig zu behandeln sind, daß weiter jede Betätigung irgendwelcher Bestrebungen, die geeignet sind, den völkischen Frieden unter den Landeseinwohnern zu stören, verboten