Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 17 (10.6.1917)
- Article
- Zwei Gedichte
- Date
- 1917-06-10
- Page
- Seite 509 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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509 Dies ist mein Fluch: mein blo&er Namen Entfacht des Hasses Fackel stets; Und doch vererb' ich meinem Samen Nicht Ha& als Seele des Gebets! Nicht hassen sollst du, Kind, sollst hoffen! War ich zum Leiden noch erwählt, Dir wird's zum Lohne zugezahlt, Und alle Tore steh'n dir offen! Dies ist der Segen meinem Volke: Unendlichkeit der Zuversicht! Hoch ob des Hasses schwarzer Wolke Entzündet sich der Hoffnung Licht! Nur wer, wie ich, gedarbt im Dunkeln, Ersehnt wie ich der Sonne Schein, Und morgen, leuchtend, klar und rein, Wird meines Volkes Sonne funkeln! Streiflichter über jüdische Religion und Wissenschaft Von Hermann Cohen 13. Der Jude in der christlichen Kultur. IV. Manerhalb der christlichen Kultur hat die Reformation eino Besonderheit der protestantischen Kultur hervorgebracht. Diese bestellt nicht allein für die allgemeine Kultur des Geistes in Wissenschaft, Literatur und Kunst, sondern nicht minder auch für die intimsten Verhaltnisse der Religion. Die Alternative: Werke oder Glauben, ist eino Kampfparole, ein Stichwort, dessen eigentlicher Sinn und Wert unverstanden bleibt, wenn die Bollwerke verschleiert bleiben, gegen welche und für welche der Kampf geführt wird. Die strittigen Werke sind nämlich keineswegs die Werke der freien Sittlichkeit, welche der natürliche und unausbleibliche Erfolg des echten Glauben^ sind, sondern gemeint sind die Heilswerke der Kirche, in denen diese ausschließlich die christliche Religiosität .begründet und befestigt. - Gegen die souveräne Kirche und ihre Glaubenswerke richtet sich der Protestantismus mit seinem Glauben. Wenn nun aber die Autorität, die Souveränität der Kirche und ihrer Heilswerke für die Begründung des Glaubens verschmäht wird, so stellt dadurch der Protestantismus in seinem seelisch gedanklichen Prinzip die Persönlichkeit des Individuums der abstrakten Macht der Kirche entgegen. Die Persönlichkeit des Individuums trägt aber unvermeidlich den Charakter der Subjektivität mit allen ihren Zweideutigkeiten in sich. Diese Subjektivität mit ihren Gefahren, aber auch mit ihren klassischen Tendenzen ist das Schicksal des Protestantismus. Die Persönlichkeit wird herausgehoben aus der universellen Allgemeinheit der Kirche, die Individualität wird zu eigener Verantwortlichkeit erweckt und aufgerufen.