Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 14 (25.4.1917)
- Article
- Der Refraktär
- Date
- 1917-04-25
- Page
- Seite 415 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2908689-2908690-2908705-2909686--0701-2909723- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
415 den grauen Mauern des alten Chillon, hinter denen einst der Held Bonivard so lange in sonnenloser Haft gefangen saß, daß er am Tage der Befreiung den liebgewordenen Kerker nicht verlassen wollte. Als icir mich nach dem Refraktär umsah, war er grußlos davongegangen. Blätter aus dem Felde Von Felix A. Theilhaber, im Felde Ost judenstolz .a|^g|ßinten im Dorf mit den windigen Strohdächern bleibt das t hyM * Auto zurück. Achsenbruch. Der Chauffeur verschwindet «ULüülß in einer der Hütten. Und wir zwei wandern auf verbogenen Straßen, zwischen aufgewühlten Furchen durch den kalten Morgen. Unsere Gedanken flattern an den endlosen Telegraphenstangen lang, kehren wieder zurück und werden wieder wach, je mehr der krumme Boden unter den Füßen schmerzt. Wenn doch ein Auto kam' und uns mitnähm\ Wir haben Eile, da wir nur kurze Urlaubsfrist zum Etappenort haben, wohin wir von der ersten Bahnstation fahren. Dort fahrt bald der Mittagszug ab. Krampfhaft und faul drehen wir uns alle paar Meter um, bis wir wirklich hohe Autotransportwagen finden. „Bruder Österreich* jubelt mein Begleiter. „Die nehmen uns mit." Ratternd wie die Berliner Hochbahnen schnellen die Ungetüme an. Wir winken ihnen. „Nix Daitsch — Madjar" schreit in dem Höllenlärm ein schmucker Bursche. Wir laufen den Wagen nach wie besessen und hängen uns hinten an. Der von oben zieht und mit strampelnden klimmenden Beinen schieben wir uns in der tollen Fahrt auf die hohe Brüstung hinauf,, mitten auf die leeren Munitionskisten, die wie trunken sich an den schmierigen Planken stoßen. Der Bau wackelt und kracht, daß uns die Zähne klappern. Nur vorwärts . . . Das Judendorf erzittert unter den einfahrenden Kolossen, die am Marktplatz einen Augenblick verschnaufen. Ein Haufen jüdischen Volkes lehnt sich an die Riesenräder und bietet fettiges Backwerk an. Der Weg ist voll von Juden. Alte Männer mit wundersam weißen Bärten. Schwindsüchtige schmalbrüstige Männer. Keifende Weiber. An der Türschwelle recken sich schwarze Judenmädel. „Idz stad, zydzie starozakonny" sagt ein Pole, der mit feinen . Stiefeln