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Neue jüdische Monatshefte · 1917-04-10 · Heft 13 (10.4.1917) · p. Seite 377

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 13 (10.4.1917)
Article
Sterblichkeit der Juden in Wilna in den letzten 5 1/2 Jahren (1911-1916)
Date
1917-04-10
Page
Seite 377 (sequence 2)
Language
German
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377 Die Sterblichkeit Statistik bietet in hervorragendem Maßt db Möglichkeit, ein klares Bild vom Wirtschafts- und Kulturleben eines Volkes oder einer Gruppe zu erlangen. Es gibt Länder, die eine Sterblichkeit von 36, ja 40 und darüber pro 1000 Köpfe der Bevölkerung: aufweisen. Hingegen sind auch Länder und Städte bekannt, deren Sterbquote 17—18 und sogar 14. und darunter pro Mille beträgt. Es ist einltiuclilend, daß die Höhe der Mortalittttsziffor die weitgehendsten Schlüsse auf Lebenshaltung und Kulturniveau einer Gruppe gestatten. Gruppen mit; »•iner niedrigen Mortalitätsziffer sind hinsichtlich der gesamten Lebenshaltung und der kulturellen Entwicklungsstufe günstiger gestellt, als die mit hoher Sterblichkeit. Aber noch vieles andere tritt in der Sterbliehk^itsstatistik deutlich zutage, worüber im Laufe unserer Ausführun- »r«'n noch die Rede sein wird. Obgleich es nun klar ist, daß die Sterblichkeit eines Volkes oder rknT nationalen Gnippe innerhalb einer Stadt oder eines Landes sich nur an der Hand von einwandfreien Vergleichsziffern bezüglich der Mortalität der anderen in derselben Stadt oder in demselben Lande lebenden Volksgruppen in exakter Weise erörtern lasse, so wollen wir, um über unser Themagebiet nicht weit hinaus zu müssen, uns doch hier auf die Sterblichkeit der Juden in Wilna während der letzten Jahre beschränken. Wir wollen das spröde Zahlenmaterial einer allseitigen Beleuchtung unterziehen. Die besondere Bedeutung der auf dir letzten o1^ Jahre sieh beziehenden Daten ergibt sich aus dem naheliegenden Umstand, daß es doch sicherlich von größtem Interesse wäre, die Wirkungen der Kriegszeit, und namentlich der letzten Monate, auf dii* Sterblichkeit der Juden in Wilna festzustellen. Freilich sind uns nirht sämtliche agierenden Faktoren bekannt; manche von ihnen werden zureichend erst später, in Friedenszeit, aufgeklärt werden können. Allein wir glauben, daß auch die Veröffentlichimg des rohen Ziffernmaterials im ..S a. m in e 1 b u c h" von Nutzen sein würde. Nun noch einige Worte bezüglich der von uns benutzten Quellen. Die Sterbeziffer haben wir den Registrationslisten des Wilnaer Zentralwohltätigkeitsinstituts „Zedaka-Gedola" entnommen,.die wir dann mit den vom Herrn Rabbiner Rubinstein bekanntgegebenen Daten verglichen haben. Beide Quellen stimmen völlig überein. Ich habe mich gelegentlieh früherer Arbeiten auf diesem Gebiete von der unbedingten Richtigkeit der von der „Zedaka-Gedola" gelieferten Sterbeziffer völlig überzeugen können: kein Verstorbener wird ohne einen nach bestimmtem Muster ausgestellten ärztlichen Totenschein beerdigt, Totgeburten nicht ausgenommen. Die Zuverlässigkeit dieser Daten ist daher über joden Zweifel erhaben. II. Bevor wir nun an unser Hauptthema herantreten, müssen wir vorerst die absolute Sterbeziffer der Juden in Wilna in den letzten 5 i/o Jahren feststellen.

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