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Neue jüdische Monatshefte · 1917-03-25 · Heft 12 (25.3.1917) · p. Seite 353

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 12 (25.3.1917)
Article
Gespräch auf Zions Walle
Date
1917-03-25
Page
Seite 353 (sequence 7)
Language
German
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353 Der zweite Krieger: Wie soll ich nicht fragen, wie soll mein Herz ohne Unruhe sein in dieser Stunde? Weiß ich denn, wo ich stehe und wielange? Dies Dunkle hier unter der Mauer, wo der Stein hinbröckelt und fällt, vielleicht ist es morgen mein Grab, und der Wind, der mir um die Wange fährt, vielleicht findet er mich morgen nicht mehr. Wie soll ich nicht fragen, da ich lebendig bin, um mein Leben? Die Flamme zuckt auf und windet sich, ehe der Docht lischt ins Dunkel, wie sollte das Leben sich nicht heben zur Frage, ehe es lischt in den Tod? Vielleicht ist es schon der Tod in mir, der so fraget und nicht das Leben mehr. Der erste Krieger: Du grübelst zu viel. Nichts nützt es und quält nur. Der zweite Krieger: Gott hat uns das Herz aufgetan, dafe es sich quäle. Der erste Krieger: Was hilft es dann zu reden. Wir haben Wache, mehr will ich nicht wissen. Der zweite Krieger: Das Reden halt wach, und es hören s nur die Sterne. (Ein Schweigen wieder zwischen beiden.) Der zweite Krieger: Was kommt da? Vom Dunkel schleicht es heran. Der erste Krieger: Wieder Müßiggänger! Sie sollen schlafen des Nachts. Jag sie heim! Der zweite Krieger: Nein! La6 sie reden und tritt ins Dunkel. Laß uns hören, was sie reden. Es scheucht den Schlaf von den Lidern, die Stimme der Menschen zu hören. Trift zurück in den Schatten! Der erste Krieger: Ein Sonderbarer bist du! Ich schreite die Runde! (Die beiden Krieger treten zurück in den Schatten des Mauedurmcs. Ihre Gestalten verschwinden in dem tiefen Dunkel, das mit scharfer Schatienschneide gegen die vom Mondlicht überflutete Mauer grenzt. Nur ihre Lanzen funkeln manchmal leise hervor.) Jeremias und Baruch (steigen aus dem Dunkel der Tiefe die Mauer empor, Jeremias hastig voran, Baruch mühsam seiner Erregung folgend. Der Krieger steht, von ihnen ungesehen, im Schatten wie aus Erz gegossen).

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