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Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-10 · Heft 9 (10.2.1917) · p. Seite 263

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 9 (10.2.1917)
Article
Aus dem Warschauer Leben : Am 31. Januar d. J. hat die wohlbekannte und ausgezeichnet redigierte jüdische Tageszeitung "Warschauer Tageblatt" ihr Erscheinen eingestellt ... [Nachricht]
Date
1917-02-10
Page
Seite 263 (sequence 2)
Language
German
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263 gegenüber konnte keine Rede sein. Für die jüdischen Interessen — und für diese' allein - — sind wir e i n - ^etrcte n. Wir taten es, solange wir es vermochten. Vor 16 Monaten sind wir vor die Leser getreten und haben unserem Willen und unserer Richtung offenen und klaren Ausdruck gegeben. Wir versprachen, für die jüdischen, bürgerlichen und nationalen Rechte einzutreten und die jüdischen Interessen wahrzunehmen. In welchem Maße wir diesem Versprechen gerecht wurden —-, darüber mag die Öffentlichkeit urteilen. Im Laufe der 16 Monate konnte jeder aufrichtige Volksfreund die hohe Steigerung des Gefühls der Selbstachtung und des nationalen Selbstbewußtseins unter den Juden feststellen. Der politische Sinn .wurde wach; die zunehmende Reife und Selbständigkeit der jüdischen Massen ist geradezu mit der Hand zu greifen. Zwiefach tritt dieser Fortschritt zutage: sowohl im Verhalten der eigenen »Aristokratie4, den Machthaber!! und alten Radeisführern, sowie der Außenwelt gegenüber. Wenn unserem Wirken auch nur ein kleiner Anteil am Fortschritt zuerkannt wird, wenn wir auch nur in geringem Maße zur Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins beigetragen haben — so mag es ein ausreichender Lohn für unsere Mühe sein. Wir geben uns der Zuversicht hin, daß die Einstellung des »Warschauer Tageblatts* keine hemmende Wirkung auf die weitere Propagierung der von unserer Zeitung vertretenen Überzeugungen haben wird. Es ist möglich, daß den Mitgliedern der Redaktion schon in nächster Zeit Gelegenheit geboten wird, sich m i t de m L e s e r p u b 1 i k u m auszusprechen, in jedem Falle aber glauben wir, daß die jüdische Öffentlichkeit bereits denjenigen Grad der Reife besitzt, um selbst für diese Überzeugungen eintreten zu können. Redaktion des ,Warschauer Tageblatts4.'* (Unterschriften.) * * * Über die neue Zeitung lesen wir im „Warschauer Tageblatt.1,: „In der Stadt wurde ein Prospekt der ,langcrwarteten4 neuen Zeitung: .Das jüdische Wort' verbreitet, deren Erscheinen bevorstehen soll. Gemäß dem Prospekt erblickt diese Zeitung ihre Aufgabe ,in der Organisation und Vereinigung sämtlicher thoratreuen Juden4, ,ihre Stimme wird auf den festen Beschlüssen begründet sein, die zum Glücke und Wohlstand der jüdischen Gemeinschaft im Geiste der heiligen Thora führen4. Die Zeitung wird ,dcn wahren jüdischen Mut des Glaubens und der Zuversicht an unsere lichte Zukunft wecken, die gesichert ist von Dem, Der ewig lebt, und Der uns nie verlassen hat, in Dessen Händen unsere Zukunft immer ruht4. Das Blatt wird ,zum Werke der Organisierung der thoratreuen Jugend .beitragen, indem es diese dazu ermutigen wird, sich treu um das Sinai- . Banner zu scharen4. Es ,wird einen besonderen Platz der Frauenfrage widmen, angesichts der sowohl in wirtschaftlicher, wie auch in hygienischer und moralischer Hinsicht schlechten Lage der jüdischen Frauen, die eigentlich niemals glänzend war, in der letzten Zeit aber eine große Verschlimmerung und Komplizierung erfuhr4; es wird dafür Sorge tragen, daß wir .treue und ergebene Bürger des Landes bleiben, wie es unsere Vorfahren immer waren4. Die neue Zeitung verspricht ihren Lesern u. a. auch eine Keihe religiöser Schriften in polnischer Sprache als Gratia-Prämie!"

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