Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1917-02-10 · Heft 9 (10.2.1917) · p. Seite 244

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 9 (10.2.1917)
Article
Judentum und Judenheit
Date
1917-02-10
Page
Seite 244 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2908689-2908690-2908700-2909360--0426-2909395
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

244 verband", eine Einigung* auf dn Mindestprogramm ist eine unerläßliche Vorbedingung, wenn sich auf Grund klar formulierter Forderungen die Gleichberichtigung für das Judentum erringen - lassen soll. Die Einbuße an „unentwegter" Prinzipientreue, deren sich dabei die einzelnen Teile schuldig machen, gleicht sich durch das Mehr an innerlicher Festigung und jüdischer Kraft reichlich aus. Der Gleichberechtigungskampf von heute verschlingt darum so unendlich große Kräfte, ohne daß die Erfolge immer dem Aufwände entsprechen, weil er nur Symptome zu bekämpfen vermag, die Axt aber nicht an des Wurzeis Übel legen kann. Damm ist er eben zur Kleinarbeit verdammt, die — so unbedingt notwendig sie auch ist und so fraglos ihr Wert feststeht — doch oft kleinlich erscheinen kann und demgemäß bewertet wird. Ein Systemwechsel würde äußerlich andere Erfolge erzielen und innerlich mehr Genugtuung gewähren. Über den Kampf um den jüdischen Reserveoffizier ist oft genug gespottet worden. Das geschah gewiß mit Unrecht, denn eine jede Zurücksetzung muß eben bekämpft werden. Aber es gibt wirklich etwas Höheres, das mehr Befriedigung gewährt! Ein Professur für jüdische Kultur an einer deutschen Universität, eine staatliche Fakultät für jüdische Theologie, Gleichstellung der jüdischen Religion an den Schulen, eine Gesamtorganisation der Judenheit sind nicht nur positiv mehr wert als Tausende von jüdischen Reserveleutnants, sondern sie würden auch einen großen Teil der Kleinarbeit überflüssig machen. Dinge, um die wir erbittert kämpfen müssen, verständen sich von selbst, wenn das Judentum als Gemeinschaft gleichberechtigt wäre. Auf allen Gebieten sieht man nach dem Kriege der „Neuorientierung", entgegen. Und ganz besonders bereiten sich alle dem Juden feindlichen Mächte darauf vor. Sie wittern Morgenluft! Bittere Kämpfe wird die Judenheit zu bestehen haben. Sie können erheblich erleichtert werden, wenn auch bei uns eine Neu orientier ungderGleichberechtigungsarbeit Platz greift. Nur wenn sie durch ihre Ausdehnung auf das Judentum eine breitere und festere Grundlage erhält, ist ihr ein wirklicher Erfolg sicher. Nur dann kann der politische Sieg zugleich auch eine Erstarkung des Judentums bedeuten. Politisierung des deutschen Judentums Von Dr. Adolf Friedemann, Berlin (Schluß) In dreifacher Weise werden wir zur Stellungnahme im öffentlichen Leben veranlaßt: als religiöse Juden, als deutsche Bürger und als Mitglieder der jüdischen Gesamtheit. Was den ersten dieser Punkte anlangt, so geht hier der Kampf um die tiefernsten Grundlagen der Lebensauffassung, um das Heiligste der Persönlichkeit, so daß sachliche Zugeständnisse nicht immer möglich scheinen, wenn es auch vielleicht oft

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.