Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 8 (25.1.1917)
- Article
- Polen : Nach den Wahlen im österreichischen Okkupationsgebiet [Nachricht]
- Date
- 1917-01-25
- Page
- Seite 235 (sequence 2)
- Language
- German
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235 Wunsch hegten, einen gemeinsamen Wahlblock mit den Polen m bilden, zogen es die jüdischen Wähler in Kielce gleich vom ersten Augenblicke an vor, völlig, selbständig vorzugehen. Das allgemeine E r g e b - n i s kommt in den folgenden Zahlen zum Ausdruck: In L u b 1 i n , wo die Juden 57 % der Gesamtbevülkerung ausmachen, werden sie 17 Vertreter in den Stadtrat entsenden,, .mithin (von 00 Stadtverordneten) :>2%; in P e t r i k a u wurden unter 50 Stadtverordneten 14 Juden gewühlt 28 %, während dort die .luden 37 % der Gesamtbcvölkemng bilden; in Kielce wird der Stadtrat unter 50 Vertretern 13 jüdische Mitglieder aufweisen 20 %, wahrend in dieser Stadt die Juden 35 % der Bevölkerung ausmachen. Am ärgsten schnitt das „vereinigte4* II ad o m ab, wo, laut Vereinbarung, von 50 Verordneten bloß 12 Juden in den Stadtrat einziehen werden, d. i. 24 %. während da die jüdische Bevölkerung nicht weniger als 45 % der Gesamtbevölkerung ausmacht. . . . In den erwähnten 4 Städten wird gegenwärtig die Konstituierung von jüdischen „Kolos" (Fraktionen) in den Stadträten geplant. Die national- 'gesinnten, aber nicht zionistischen Politiker („Volkisten") bemühen sich um die Schaffung politischer Klubs unter Teilnahme von Vertretern aller Schichten und Richtungen, mit denen die jüdischen Katsmänner in engster Fühlung bleiben und von denen sie Direktiven in beziig auf die im Stadtrat zu behandelnden jüdischen Fragen empfangen sollen. Selbstverständlich sind es wiederum die Assimilanton, die der Verwirklichung dieses Planes Hindernisse entgegenstellen. Aber es ist bestimmt zu erwarten, daß die Mehrheit der jüdischen Katsmänner es vorziehen wird, im . Einvernehmen mit den Wählern und nicht auf eigene Verantwortlichkeit hin zu wirken/' 0 030 ED CD OD OD QU Liieraturblatt 01100303 ED 03 03OD Zur Sicdlungsfragc in der Türkei Auf welcher Grundlage wird es der Türkei möglich sein, ihr Schicksal zu gestalten und ihr eigenes Loben auf Grund eigener Ideale zu völkisch vollkommenen Höhen führen? Als guter Kenner des Landes, besonders Palästinas und Syriens faßt Dr. Leon Schulman *) in seinem Buche: „Zur türkischen Agrarfrage" die Frage der Entwicklung des Reiches an der Wurzel und weist auf die grundlegende Bedeutung des Ausbaues der Landwirtschaft für jeden Fortschritt hin, der in der Türkei er- -hofft werden darf. Und in der Tat, vor der Frage einer Belebung des Ackerbaues treten für jeden, der mit asiatischen Verhältnissen im allmeinen und denen der Türkei im besonderen vertraut ist, alle anderen Fragen zurück. Jeder Weiterbau auf den bestehenden Grundlagen bedingt in dieser Hinsicht technische Verbesserungen mannigfaltiger Art, •) Dr. Leon Schulman, „Zur türkischen Agrarfrage; Palästina und die Fellachen Wirtschaft" (Zweite außerordentliche Veröffentlichung des Archivs für Wirtschaftsfor&chimg im Orient). Verlag: Gustav Klcprnheuer, Weimar 1910. Preis geh. M.1.&0. nicht nur in beziig auf die lioiU'iihearbeitung selbst oder auf die Erleichterung des Transportwesens, nicht nur zur besseren Ausnutzung der vorhandenen landwirtschaftlichen Möglichkeiten oder auch für die Ausgestaltung des Kreditwesens, Fragen, die Schulman ebenfalls berücksichtigt. Jedoch das Haupt verdienst seiner Darstellung liegt auf dein Gebiete der innerpolitischen Maßnahmen, wo er nachweist, was notwendig ist, um der Türkei die Grundlagen zu geben, auf denen sie sich stetig und kraftvoll entwickeln kann. Anstatt nur die technischen Schwierigkeiten zu betrachten, die sich einer Entwicklung des Landes hemmend in den Weg stellen und Mittel zu ihrer Überwindung aufzudecken, schürft der Verfasser tiefer und weist nach, wie zunächst die agrarpolitischen Fragen im Urgründe der bestehenden, immer unhaltbarer werdenden Verhältnisse wirken. Auf dem Boden einer Ausgestaltung der landwirtschaftlichen Verhältnisse der Türkei legt er die Grundzüge der Handelspolitik dar,