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Neue jüdische Monatshefte · 1917-01-25 · Heft 8 (25.1.1917) · p. Seite 234

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 8 (25.1.1917)
Article
Polen : Stadtverordnetenversammlung [Nachricht]
Date
1917-01-25
Page
Seite 234 (sequence 2)
Language
German
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234 Juden und Polen keineswegs nur durch die russische Politik herbeigeführt. Der beste Beweis dafür ist das Verhältnis zwischen Juden und Polen in Galizien, wo doch wohl die russische Politik schwerlich Einfluß auf die Beziehungen beider Nationalitäten genommen hat? In Wirklichkeit ist bereits seit Jahrzehnten mit dem Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Polen ein Wirtschaftskampf entstanden, der in bewußter und systematischer Weise die Verdrängung dos jüdischen Elements zur Folge hat. Seit dem Boykott des Jahres 1906 sind fast alle polnischen Parteien, ob sie liberal oder konservativ sind, antisemitisch gewesen. Der beste Beweis für unsere Behauptung liegt in der objektiv feststehenden und nicht zu bestreitenden Tatsache, daß jetzt, wo doch der russische Einfluß aufgehört haben sollte, die Stadtverwaltung Warschaus genau in der gleichen antisemitischen Weise wie früher verführt. Die Schaffung eines jüdischen Handelsghettos im Gebäude Gostinnji Dwor, die systematische Mundtotmachung der Vertreter der wahrlich nicht unbescheidenen kulturell-jüdischen Bestrebungen im Warschauer Stadtrat, die Entziehung der Gelder für die jüdischen Rcservistenfrauen, die Nichtzulassung langröckiger Juden in den öffentlichen Parks, die systematische Nichtanstellung von Juden unter den zahllosen städtischen Beamten, die Drohungen, die man öffentlich und versteckt gegen die für ihr Volkstum kämpfenden jüdischen Vertreter ausstößt, die Nichtcinstelhmg von Juden in die Milizen, als diese anfingen, besoldet zu werden, die Vorschriften über die Sonntagsruhe usw., usw. reden eine laute Sprache, die mit den Worten des Herrn Grotowsky in striktestem Widerspruch steht. Die Behauptung des Herrn Grotowsky, daß die jüdische Presse im neutralen oder feindlichen Auslande gegen die polnischen Unabhängigkeitsbestrebungen Partei nehme, ist durchaus unwahr, In Wirklichkeit verteidigt sie überall nur die Rechte der Juden und wird das hoffentlich weiter tun, trotz aller politischen Brunnen Vergiftung, die mit solchen Reden versucht wird, Endlich ist es durchaus unwahr, daß das „Komitee für den Osten" sich irgendwie germanisatorisch betätigt. Es tritt lediglich für die national-kulturelle Gleichberechtigung der Juden in Polen ein, solange diese selbst sie wünschen; und darüber, daß dies der Fall ist —^ wenn man von der winzigen Schar ausgesprochener Assimilanten absieht — kann für niemand ein Zweifel sein, der die polnischen Verhältnisse kennt. Herr Grotowsky wird mit den hier verwendeten Mitteln seinen Zweck nicht erreichen. Die Tatsachen sind zu offenkundig, als daß seine Rede Eindruck erwecken könnte. 8. Nach den Wahlen im österreichischen Okkupationsgebiet. Unter dieser Überschrift schreibt das „Warschauer Tageblatts „Bevor man daran geht, die Bilanz der Wahlen im österreichischen Okkupationsgebiet zu ziehen, muß zunächst bemerkt werden, daß die jüdische Bevölkerung nicht überall mit dem erforderlichen Maß von Orientierung und Interesse an die Sache heranging. Es ist dies wesentlich auf die allgemeinen Kricgsumstände und die unklare politische Situation zurückzuführen. Obendrein hatte die Wahlordnung die jüdische ÖlTentlichkeit in eine derartige Situation versetzt, daß ein bedeutender Teil junger, aktiver und politischbereifter Kräfte des p assive n W a h 1 r e c h t s beraubt wurde. So schwangen überall das Szepter die alten abgelebten assimilatorischen Cliquen und ihre Helfershelfer — die „modernisierten" Chassidim". Daher der Umstand, daß die Wahlen in den vier Gouvernementshauptstädten Lublin, Radom, Petrikau und Kielce unter den ab- weichendsten und verschiedenartigsten Bedingungen vor sich gingen. Das gleiche ist auch bei den Polen zu beobachten. Während in Lublin die „Nationaldemokraten" gemeinsam mit den „Demokraten" den Beschluß faßten, die Juden, — die Assimilanten nicht ausgenommen, — zu bekämpfen gehen sie in R a d o m zusammen mit den Juden. Und während in Lublin die Juden den aufrichtigen

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