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Neue jüdische Monatshefte · 1917-01-10 · Heft 7 (10.1.1917) · p. Seite 207

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1916-1917
Issue
Heft 7 (10.1.1917)
Article
Polen : Wahlen in Lodz [Nachricht]
Date
1917-01-10
Page
Seite 207 (sequence 1)
Language
German
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207 ©01ID0(ID(IDGDIID Umschau GD01ID1IDGD0IIBI2I) roten 1. Wah 1 cn in Lo dz. Die Vorbereitungen zu den Wahlen in Lodz sind nunmehr abgeschlossen. Die Parteiverhältnisse sind geklärt, die Vorschlagslisten eingereicht. Nunmehr bleibt noch der letzte Kampf um den Wähler auszukämpfen. Die Verhandlungen zwischen den Parteien sind zu Ende. Nach den ziemlich zuverlässigen Schätzungen haben sich in die erste Kurie (Haus- und Grundbesitzer) iYd % .luden eingetragen, in die zweite Kurie (größere Handels- und Industrie-Unternehmungen) 75 %, in die dritte (Intelligenzkurie) 70%, in die vierte (kleine Industrie, Handwerk und kleinere Handelsunternehinungen) 33 %, in die fünfte Kurie (Wähler, die zur Wohnsteuer veranlagt sind) 70 %, in die sechste (Arbeiterkurie) 50 %, zusammen etwa IG 600 jüdische Wähler oder etwa 54 % der Gesamtzahl aller Wähler. Von den bürgerlichen jüdischen Parteien treten zwei größere Organisationen auf: das Jüdische Zentralwahlkomitee, in dem alle jüdischen Parteien vereinigt sind, und die „Juden - Polen44, die zur Gruppe der Assimilanten gehören. Die jüdische Orthodoxie hat keine Wahlvorschläge eingereicht, ist in verschiedenen Parteien vertreten und wird auch verschieden stimmen. Bemerkenswert ist, daß das Jüdische Zentralwahlkomitee folgenden Beschuß faßte: ..Die von unserem Komitee gewählten jüdischen Stadtverordneten müssen im Stadtrat eine jüdische Gruppe (Kolo) bilden. Die Aufgabe dieser Gruppe wird sein, die jüdischen Glaubens-, National- und VVirtschaftsinteressen zu wahren.'4 Man ist auf den Ausgang des Wahlkampfes in Lodz sehr gespannt. 2. S t a t i s t i s c h e s a u s W a r - s c h a u u n d L u b I i n. Durch die Eingemeindung vieler Vororte wurde von der Warschauer Stadtverwaltung ein Groß-Warschau geschaffen, in dem der Prozentsatz der .Juden ein kleinerer werden sollte. Die am 1. .März 1010 vorgenommene Zählung bringt nunmehr genaue Zahlen über den Kevölkerungsstand von Groß- Warschau: Seine G esa m11 >evölkerung betrug 084 040 Einwohner, darunter 351 521 Juden gleich 37,1 %. In Lublin betrug die Zahl der Juden 33 500 bei einer Gesamtbevölkerung von 58 820 Personen; die Juden bilden demnach 57,5 %. Literaturblait Die Wunderweh der Chassidim *) Zu derselben Zeit, in der die Tragödie des jüdischen Volkes sich wieder einmal in ihrer ganzen furchtbaren Realität enthüllt, und die Sorge um das Schicksal jüdischer Massen in den verschiedensten Ländern der Welt uns fast erdrückt, ist in Ost- und in Westeuropa der WTunsch erwacht, den Stimmen zu lauschen, die. — trotz des Kriegsgetöses — rauschen und wispern und von der Geister- und Wunderwelt erzählen, die der Jude sich erschuf. Noch vor kurzer Zeit schien es, als seien die Brunnen, in denen des jü- *) -Sa^en polnischer Juden" von Alexander Elinsber^. Verlag von {jeor# Müller, München. Preis M. \ -. dischen Volkes mystische Erinnerungen ruhen, verschüttet, und kaum ein einziger Westeuropäer hatte eine Ahnung von den mystischen Schöpfungen, die besonders der Chassjdismus hervorgebracht hat. Krst seitdem das Bewußtsein vom nationalen Zusammenhang der Judenheit in allen Ländern erwacht ist, hat uns im Westen die Sehnsucht, ergriffen, die Juden des Ostens kennenzulernen; je mehr wir uns mühten, zu dem Grunde des verschütteten Brunnens vorzudringen, desto wundersamere Schätze sahen wir ans Licht .befördert. Die schönsten, die für uns gehoben wurden, waren die Sauren und Märchen der Chassidim.

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