Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 1 (10.10.1916)
- Article
- Amerika : Die Einigung in der Kongreß-Frage [Nachricht]
- Date
- 1916-10-10
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 deutung des Kongresses werden wir in einem besonderen Aufsatz würdigen. Rußland. Russisches „Entgegenkommen". (Autono mleentwurf für Polen.) Sowohl die polnische Presse des Kongreßlandes wie die Galiziens, nicht zuletzt das in deutscher Sprache erscheinende Organ des polnischen Nationalkomitees in Österreich, verfechten immer mit größtem Nachdruck die Ansicht, die Judenfrage Polens wäre eine rein innerpolnische Frage. In diese „innere Angelegenheit" Po) ens sich einzumischen, stehe niemand ein Recht zu. Man war in polnischen Kreisen auch immer aufs tiefste über jeden Versuch von jüdischer Seite entrüstet, das polnisch-jüdische Problem rückhaltlos in der breiten europäischen Öffentlichkeit zu diskutieren, Demgegenüber gab man in der jüdischen Öffentlichkeit mit größter Entschiedenheit der Überzeugung Ausdruck, daß die Judenfrage weder in Polen noch irgendwo anders als eine „innereAngelegenheit"zu behandeln ist. Was ist da natürlicher, als daß die Russen, die jetzt so gern den Zentralmächten das Befreiungswerk „vor der Nase" wegnehmen möchten, auf diese polnischen Wünsche liebevoll eingehen? — Sie haben neulich einen „Griff" getan, der ihrer bisher in Polen angewandten Politik die Krone aufsetzt. Die Frage der Veröffentlichung eines neuerlichen „Aufrufes" an die Polen, in dem das vom ehemaligen Oberbefehlshaber gegebene Autonomieversprechen in aller Form erhärtet werden sollte, wurde in den letzten Tagen in besonderen Verhandlungen des russischen Ministerrates aufs eifrigste diskutiert. Während der „Aufruf" selbst allseitige Zustimmung fand, erregte die „Form"-Frage einen lebhaften Meinungsstreit. Den Beratungen des Ministerrates lag — dem „Russkoje Slowo" vom 12. v. M. zufolge — ein vom früheren Minister des Äußeren, Herrn S a s o n o w, ausgearbeiteter Text zugrunde, in dem die Einzelheiten der künftigen politischen Neuordnung Polens in bestimmter Form niedergelegt waren. Die überwiegende Mehrheit war gegen diese detaillierte Sasonowsche Fassung, während die Minderheit — es soll sich um einen einzigen Minister handeln — sich für diese entschied. Nun wurde kurz darauf dem Staatssekretär Krischanowski höheren Ortes der Auftrag, einen dem Standpunkt dieserMinderheit entsprechenden „Aufruf" auszuarbeiten. Dieser nunmehr fertiggestellte „Aufruf" enthält, der genannten Zeitung zufolge, 8 Punkte, die im Wortlaut wiedergegeben werden. Während nun die ersten 7 Paragraphen die allgemeinen Richtlinien der politischen Gestaltung des neuen Königsreichs Polen festsetzen, berührt der achte Punkt die Rechtsfrage der „nationalen Minderheiten". Er lautet: „Die Frage bezüglich der Rechte der im Königreich Polen lebenden nationalen Minderheiten wird reguliert durch die Gesetze des künftigen Königreiches." Diese „in Polen lebende nationale Minderheit" sind die polnischen .Juden. Ins Deutliche übertragen, bedeuten diese Worte: „Das Schicksal der polnischen Juden wird in die Hände der Polen gelegt." Eine vielsagende Klausel, die zugleich au Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Soll der Jude bloß ein Köder sein? Uns will bedünken, daß der Moskowiter wiederum mit einer Klappe nach zwei Fliegen ausholt. Die Lockspeise ist giftig. Das altbewährte Rezept russischer „Minderheitenpolitik". Das neue Elaborat wird noch den Weg durch Duma und Reichsrat gehen müssen. Die russischen Herren werden darüber noch 'beraten. Ob freilich die „Frage bezüglich der Rechte der in Polen lebenden nationalen Minderheiten" nach den russischen Gesetzen geregelt werden wird, darf füglich als unwahrscheinlich hingestellt werden. L. R. 03003 OL 110001103 Literaturblatt 03 03 03 03 03 03 OB 03 Mitteleuropa und die Judenfrage* Wir Juden haben uns ein fast ängst- I und jener über die Judenfrage äußert, liches Aufhorchen auf das, was der | angewöhnt, als könnte auf diesem