Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1938)
- Article
- [Rezension] / J. P.
- Date
- 1938-10-01
- Page
- 303 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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sende von Müttern, Tatusende von Frauen, die im Hause jüdisch walteten, seit die Ghettomauern gefallen waren, und denen es mit zu verdanken ist, daß das Judentum weiterlebt. Wir wissen wohl, daß Frau Strauß sie kennt, und hätte ihr Buch nicht offensichtlich ein anderes Ziel gehabt, nämlich nicht die anonyme Menge, sondern hervorragende Einzelne zu Geschichten vom Dieser Tage war die fünfte Jahrzeit nach Rabbi Meir Hakohen, dem großen Juden, Gelehrten und vorbildlichen Menschen, der nach seinem berühmten Werk für die Lauterkeit des Alltagslebens und wider die Bösrede „der Chofez Chajim" genannt wird. Um ein Bild seiner Menschlichkeit zu vermitteln, folge hier einiges aus seinem Leben. Die Briefmarke Ein Dozent der vom Chofez Chajim begründeten Jeschiwa von Radin fuhr nach Warschau. Der Rabbi bat ihn, einen Brief mitzunehmen und dem Adressaten in Warschau zu übergeben. Er reichte dem Dozenten den Brief, ging an sein Pult, nahm eine Briefmarke heraus und vernichtete sie. „Warum vernichtet Ihr die neue Briefmarke?" fragte der Dozent. „Um die Post nicht zu betrügen", war die Antwort. Der bezahlte Segen Sch'muel Jizchak, der Schmied von Radin, kam zum Chofez Chajim und bat ihn um seinen Segen für ein Unternehmen, das er vorhatte. Wie erstaunte er aber, als er hörte, er könne den Segen nur um zwanzig Rubel erhalten, davon zehn sofort bar zu zahlen und zehn, wenn schildern, so hätte sie von ihnen zu künden gewußt. Das Buch ist sprachlich ebenmäßig und sachlich solid. Hätte eine andere Schriftstellerin es geschrieben, so würde sie wahrscheinlich der Autorin selbst ein Kapital gewidmet haben; denn Bertha Badt-Strauß gehört in die Reihe der sichtbaren Frauengestalten im geistigen Leben unserer Tage. J. P. Chofez Chajim der Segen sich mit Gottes Hilfe erfüllt habe! Der Schmied war ein eingesessener Radiner und hatte nie gehört, daß der Rabbi sich einen Segen bezahlen ließ. Aber was tun? Wenn der Rabbi es verlangte, mußte man zahlen. Der Schmied ging heim, brachte zehn Rubel und erhielt einen herzlichen Segen. Eine Woche danach bekam er einen Brief seines Sohnes, der an der Lomzer Jeschiwa studierte und dem Vater für die zehn Rubel dankte, die er sehr nötig gebraucht habe. Druckfehler Als des Chofez Chajim Werk Mischna Berura in Warschau gedruckt wurde, fand Rabbi Nachman Grünspan den Verfasser, der sonst immer liebenswürdigen und heiteren Gemüts war, tief seufzend. Auf die Frage, was ihm fehle, zeigte der Chofez Chajim ihm einen Druckbogen, den er in der Hand hielt, und sagte: „Seht, der Setzer hat das Wort Moed falsch gesetzt. Den ganzen Bogen hindurch jedes Moed falsch gesetzt!" Der Besucher meinte, der Schaden sei so er* schrecklich nicht und durch Korrektur leicht zu beheben. Da sah ihn der Chofez Chajim mit vor Erstaunen großen Augen an und sagte 303