Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1938)
- Article
- Um den Schabbat
- Date
- 1938-09-01
- Page
- 264 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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auf ihn zurückgeführt wird. Für jeden, der — ohne sich streng an die Gesetze zu halten — den Schabbat beachten will, ergeben sich Schwierigkeiten, an die er kaum vorher gedacht hat. Die Woche ist mit Arbeit erfüllt, die Ruhe willkommen; sie soll Entspannung und Erfrischung bringen, so wie sie bisher der Sonntag bringen konnte. Eine nach modernen Lebensformen versuchte Freizeitgestaltung führt aber zur Uebertretung des jüdischen Gesetzes. Man müßte etwa fahren, um am Meer sein zu können; will man in ein Kaffee gehen, so kann man nur in eines, das entgegen der Stadtverordnung geöffnet ist. Auf Schritt und Tritt müßte man das Gesetz übertreten — ob man in der Stadt lebt, ob auf dem Lande, ob im Kibbuz. Dem, der fest und tief im Gesetz steht, erwachsen keine Schwierigkeiten, er entsagt ruhig und sicher den gewohnten Sonntagsfreuden, wenn er auch weiß, daß die Entsagung auf diesem Gebiete größer ist als in der Galut. Jeder andere aber, auch der früher vielleicht Gleichgültige, sieht sich plötzlich ganz neuen Tatbeständen gegenüber. — Keine Lösung kann hier gegeben, nicht einmal die Fragestellung in ihrem ganzen Umfange und in ihrer Tiefe aufgezeigt werden, — nur eines soll deutlich sein: die Frage der Schabbatgestaltung ist nicht literarischer Art und ergibt sich nicht aus theoretischen Auseinandersetzungen, sondern aus dem täglichen Leben des Volkes. Die besondere Bedeutung des Schabbat und die Auswirkung der Gedanken über diesen Tag sucht ein bedeutsames Werk, eine Art Encyclopaedie des Schabbat, zu erfassen. Auf über 660 großen engbedruckten Seiten bietet sie eine Fülle von Material aus der Bibel, den Apokryphen, aus Gesetz- und Brauchbüchern, wissenschaftlichen und künstlerischen Werken und sammelt neben Liedern und Erzählungen die Aussprüche und Abhandlungen von bedeutenden Juden aller Zeiten bis zur Gegenwart: bis zu Hermann Cohen, Franz Rosenzweig, zu Michael Guttmann und Ismar Elbogen. Der systematische Aufbau des Werkes, die außerordentlich reichhaltige Auswahl, die fast erschöpfende Darstellung eines Gebietes, das durch sein stetes Wachsen unerschöpflich scheint, machen das Buch für jeden, der nicht selbst die Quellen genau kennt, unentbehrlich. Die hebräische lexikalische Literatur wird durch die Encyclopaedie des Schabbat*), in der so mancher Aufsatz — im Bialikschen Sinne — „heimgeholt" wird, wesentlich bereichert. Das jüdische Leben könnte an diesem Buch neue Wege entdecken, die an Altes anknüpfen. Das Sefer Schabbat, in Palästina entstanden, ist auch ein Buch des Aufbaus, es ist ein praktisch wichtiges Buch, weil es das jüdische Palästina zu den Ursprüngen der Lehre und zu ihrer Deutung zurückleitet. Fritz Aronstein *> Sefer Haschabbat, herausg. von Dr. J. L. Baruch. Tel A-ariw 5698. 264