Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1938)
- Article
- Einblicke und Ausblicke
- Date
- 1938-09-01
- Page
- 253 (sequence 1)
- Language
- German
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Hans Bach: Einblicke und Ausblicke Ein Kletterseil, lose über zwei Felsen gelegt, bietet — ein Finger könnte es wegschnippen — der Hand keinen Halt, doch einen Anhaltspunkt dem Auge. Es schützt vor Schwindel, vor dem ansaugenden Locken der Tiefe. * Erst durch das Wort wird eine Sache wirklich, nämlich wirkend. Solange sie ohne Namen, ohne Deutung besteht, ist sie wohl, doch wirkt noch nicht. Das Wort erst der Logos, der Hauch Gottes schenkt dem Seienden Geist und Seele dazu. * Sieh, wie es auf der stillen Oberfläche des Wassers Kreise regt, wenn ein Fisch zum Atmen aus der Tiefe stößt! Und mehrere solcher Kreise durchdringen sich gegenseitig, ohne einander zu stören — dann zieht jeder weiter in seiner Bahn, sich auszubreiten als Kreis zwischen andern Kreisen. * Das Allergeheimnisvollste ist, daß auch das Unvollkommene, das Falsche, selbst das Böse zum Werkzeug, zum Hebel des Rechten und Guten werden kann. * Je höher der Standort, desto einheitlicher der Blick. * Worin immer ein Mensch sich selbst ausspricht, unverhohlen, voll und rein, da schließt er zugleich ein Stück Welt mit auf. Es ist ein Irrtum zu meinen, man könne nur von der Welt reden oder nur von sich — beide gehören notwendig zusammen, ineins, und ohne das eine bleibt das andere unvollständig. 253