Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1938)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1938-08-01
- Page
- 219 (sequence 2)
- Language
- German
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In einem Anfangskapitel erwähnt Grotte eine Synagoge in Konstantinopel, die unter Kaiser Konstantin d. Gr. errichtet und in der Zeit des Theodosius zu einer Kirche umgewandelt wurde, und die Schlangenmoschee in Aleppo, in der Sobernheim, die Reste eines jüdischen Gotteshauses erkannt hat. Man hört weiter von zwei spanischen Synagogen in Toledo, Bauten von hohem künstlerischem Wert, die 1357 vom Schatzmeister des Königs Dom Pedro, Samuel b. Meir Abulafia, errichtet und nach der Vertreibung der Juden aus Spanien in die Kirchen El Transito und Santa Maria la Bianca umgewandelt wurden. Vor etwa vierzig Jahren wurden sie restauriert und zum Nationjaieigentum des spanischen Volkes erklärt. An diese stolzen Beispiele schließt sich Grottes Aufzählung und archivaliische Belegung vieler Synagogenkirchen in Deutschland. Für die schlesischen Beispiele bilden Textfiguren und Tafeln ein aufschlußreiches Material, das auch dem nicht mit architektonischen Vorstellungen und Kenntnissen vertrauten Leser des Buches ein Wegweiser sein kann. Im einzelnen sei zu den anregenden Ausführungen Grottes gesagt, daß die Gegenüberstellung der Grundrisse der Bauten in Oels und Prag die Einheitlichkeit des Grundsystems gut erhellt, die ja auch in der im Jahre 1933 aufgefundenen Synagoge in Bruck an der Mur •erkenntlich ist. Durchaus einleuchtend ist in Grottes Buch auch die Beweisführung dafür, daß in dem schmalen, der ehemaligen Synagoge in Schweidnitz vorgelagerten Raumteil eine in früherer Zeit vorhanden gewesene Vorhalle, wie sie auch in Regensburg und Prag bestanden haben mag, architektonisch begründet ist. O I g a B1 o ch Die Halfen von Ur Als Thara mit seinen Söhnen Abram und Lot aus seiner Heimat Ur in Chaldäa fortzog nach Kanaan, da sah der Bekenner Jahwes in der uralten, ehrwürdigen Kultstadt des Mondgottes. Sin die Mauern des Tempels sich im Wasser des Euphratarmes spiegeln. Verschüttete, niemals vergessene Vergangenheit! Seit einer Reihe von Jahren schon haben vereinigte englisch-amerikanische Expeditionen im biblischen Ur, dem heutigen Mugeir, den versunkenen Welten nachgespürt. Aus acht übereinander gelagerten Schichten voll erhabener Geheimnisse, angefüllt mit seltsamen Kunstgebilden, mit Gräbern, Kultgeräten und alltäglichem Tand, erhob sich die uralte Stätte menschlicher Hochkultur: Chaldäa. Töpferarbeiten aus den fernen dunklen Zeiten der sagenhaften „Könige vor der Flut" und die vielen historischen Aufzeichnungen dieser unzweifelhaften Begebenheit kamen ans Licht. Ausgegraben erwachte das hochgemauerte Ur des 3. Jahrtausend, vom Euphrat und mächtigen Kanälen umflossen" gleich einer Wasserburg, und darüber gelagert die schmalen, um zehn Jahrhunderte jüngeren, eng zusammengedrängten Gassen voll mehrstöckiger Häuser aus Backstein und Lehmziegelwerk. Und wieder ungezählte Menschenalter dem Heute näher gerückt zeigte sich das breit gebaute, reiche Ur 219