Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1938)
- Article
- Das Reich Gottes in der Wüste
- Date
- 1938-08-01
- Page
- 183 (sequence 2)
- Language
- German
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Das Reich Gottes in der Wüste änderung in jenen ungeheuren Gebieten der Wüste, die aus den unter dem Namen Saudije zusammengefaßten Ländern Hidjas und Nedjd bestehen. Diese auch als Wahabitenstaaten bekannten Gebiete erleben in unserer Zeit einen Gestaltwandel von derartig grundlegender Art, daß es keines besonderen geschichtlichen Blicks bedarf, um davon eine entscheidende Beeinflussung der gesamten künftigen Politik des Vorderen Orients und damit auch der europäischen Orientpolitik durch den Wahabismus zu erwarten. Alle diese Formänderungen, ihre Folgen und vielleicht schon ihre Voraussetzungen hängen innig mit dem Auftreten einer merkwürdig faszinierenden Persönlichkeit zusammen, des geistlichen, geistigen und politischen. Führers der Wahabiten, des Königs Tbn-Saud (gesprochen: Sa-üd). Ein Bild dieses Gründers eines in unserer Zeit einzigartigen, bewußt auf theokratischen Grundlagen beruhenden Staates sei hier skizziert. Ibn Saud oder, wie er mit seinem vollen Namen heißt, Abd ul Aziz abd Urrahmän ibn Faissal es Sa'üd, geboren im Jahr 1880 in Zentralarabien, ist der Abkömmling einer einst sehr bedeutenden, dann aber fast zugrunde gegangenen Fürstendynastie der Wahabitensekte, einer puritanischen Schule des Islam. Als sein Vater aus politischen Gründen die Heimat verlassen mußte, kam der noch sehr junge Ibn Saud in das aus strategischen und petroleumpolitischen Gründen in den letzten Jahren oft genannte kleine Sultanat El Koweit am Persischen Golf. Hier, am Hof des Scheichs Mubarak, lernte der junge Flüchtling die hohe Kunst der Diplomatie zu einer Zeit, da die Deutschen die Bahn nach Bagdad bauen wollten und Mubarak in unvergleichlicher Meisterschaft Deutsche, Türken und Engländer gegeneinander ausspielte. Dieser Lehrzeit folgten einige Jahre eines an Körper und Nerven die größten Anforderungen stellenden Nomadenlebens im Inneren der wildesten Wüsten Arabiens, in der Rub el Kali. Endlich war Ibn Saud körperlich und geistig so weit, zum erstenmal selbst in die Politik einzugreifen. Im Alter von etwa zwanzig Jahren nahm er in einem kühnen Handstreich mit kaum fünfzig Reitern seine von arabischen Bundesgenossen der Türken besetzte Heimatstadt Er Rijadh. Damit gewann er den Ausgangspunkt zu einem Aufstieg, der ihn zum wahrscheinlich größten Verwirklicher des politischen und religiös-ethischen Gedankens Mohammeds in dieser Zeit macht. In diesem Jahr 1912 tat Ibn Saud, nun kein Flüchtling mehr, sondern bereits Fürst eines immerhin wichtigen Gebiets im Herzen Arabiens, den ersten Schritt, der scheinbar der tausendjährigen Tradition der Wüste widersprach, aber zur ideologischen und praktischen Grundlage all seiner späteren Macht wurde. Er griff eine alte Idee des. Wahabismus auf und gründete die erste 183