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Der Morgen · 1938-07-01 · Heft 4 (Juli 1938) · p. 176

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Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 4 (Juli 1938)
Article
Jüdische Wirklichkeit heute [Rezension]
Date
1938-07-01
Page
176 (sequence 2)
Language
German
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leitet er die Forderung ab, zum Gesetz zurückzukehren. Schoeps raeint, das seien „Sachverhalte, die auch ein moderner Mensch ohne Glaubenshaltung sehr wohl einsehen kann, weil sie Geschichtstatsachen sind", und sieht nicht, daß er hier am Kernpunkt des Problems vorbeiredet, weil er alte Formulierungen dogmatisch wiederholt, statt den Weg zu zeigen, auf dem diese Sachverhalte neu zu begreifen und somit auch zu verlebendigen wären. Gegen diese Schwäche von Schoeps* Argumentieren, die das Heft leider dazu verurteilt, keine „Antwort", sondern nur ein interessanter Versuch zu sein, wiegen andere leichter. Wenn er im Gesetz abwägt zwischen primären Forderungen und weniger elementaren, dann nähert er sich unversehens jenen frühen Reformern, die um die „Grundlehren" kämpften statt um das Ganze; von deren blassem Ethizismus meint er weiter entfernt zu sein, als er es wirklich ist. Mit manchen anderen steht Schoeps in dem Zirkel, das Judentum in seiner Ganzheit auf sich nehmen zu wollen und dann doch die kritische Sonde der Prüfung anzusetzen, was vollziehbar bleibe und was als zeitbedingt zu fallen habe. Es bleibt für ihn wie ehedem „die ethische Forderung", und es fällt (mehr oder minder) das „Kult-, Opfer-, Speise- und Ehegesetz". Mit Recht fragt da der Ungläubige, warum eigentlich diese Ethik unter der Flagge „Judentum" segeln muß! Weil der Bestand des Judentums unlösbar mit dem der Judenheit verknüpft ist, bleibt die Sorge um die jüdische Jugend übers Menschliche hinaus jüdisch. Günter Fried- 1 ä n d e r s schonungslose Analysen, die durch Heinz Franks „Gegenwartsaufgaben jüdischer Jugenderziehung" vom Pädagogischen her, wenn auch abgeschwächt, bestätigt werden, standen schon nach ihrer Erstveröffentlichung im „Morgen" im Mittelpunkt einer allgemeinen Aussprache. Daß beide Broschüren ebenfalls im Aufzeigen des Tatbestandes sich erschöpfen und zu dessen Verbesserung wenig sagen können, liegt in der Schwierigkeit der Situation mitbegründet. Neben Religion und Erziehung ist auch die Familie nicht vor Bedrohung ihrer Grundlagen geschützt; was mit zu den stärksten Faktoren des Zusammenhalts im Judentum gehört hat, scheint heute in Gefahr. Darum wird man mit besonderer Anteilnahme Hanns Reißners „Familie auf Wanderschaft" lesen. Mit Beschaulichkeit und klarer (durch zahlreiche Statistiken unterstützter) Anschaulichkeit macht er den Schicksalsweg einer Sippe in sieben Generationen lebendig. Zweifellos kann eine solche. Betrachtung Zufallsergebnisse enthalten und soll darum als soziologische oder sonstige Erkenntnisquelle nicht verallgemeinert werden. Daß die Schrift solche Ansprüche nicht erhebt, macht sie sympathisch. In diesem Zusammenhang mag auch das von Rudolf M e 1 i t z (bei Joachim Goldstein) herausgegebene Schriftchen „Das ist unser Weg" angezeigt werden, das von Umschichtung und Hachscharah und von der Fülle technischer wie menschlicher damit verbundener Probleme einen Begriff gibt. H. L. 176

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