Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1938-07-01 · Heft 4 (Juli 1938) · p. 173

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 4 (Juli 1938)
Article
Das Weltkind und die Propheten
Date
1938-07-01
Page
173 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895580-2895584-2908357--10753-2908418
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

über eine Stelle aus Jirmejahu zeigte; wahrscheinlich ist diese Bibelfestigkeit jedoch bei den Briten nichts Ungewöhnliches, sondern ein Erbe noch aus der Zeit der Puritaner, da der Soldat Cromwells im Tornister seine Taschenbibel trug. Es scheint, als ob Margot Asquith gewisse Bücher der Propheten besonders liebe; sie mögen gerade in unserer dunklen Zeit stärker und tiefer in den Herzen widerhallen. Worte des Jesaia hört sie, obzwar keine Lippe sie sprach, beim Friedens-Dankgottesdienst in St. Paul und, warnend und mahnend, in der Zeit des Versailler Vertrages: „Gierige Hunde, die nimmer genug bekommen, und einfältige Hirten, die nimmer verstehen". Und ihr Lebensbild schließt, wie es begann, mit einem Bibelwort: „In den Tagen, da die Wächter des Hauses zittern, und die Starken zur Erde sich beugen ..." Englische Juden gehörten von Jugend auf zu ihren Freunden. Teixeira de Mattos, der Abkömmling der Marannen, war der einzige, dem sie das Manuskript ihres Buches zeigte; die Rothschilds findet sie „lebhaft für Politik interessiert und Engel an Güte". Aber noch aufschlußreicher vielleicht ist für uns das Bild, das sie von ihrem Jugendfreunde Arthur Balfour entwirft: seinem mehr kritischen als konstruktiven Genius, der sich doch zu einer „Religion der Humanität" erhob, deren Ziel es ist, „uns des Flüchtigen und Persönlichen zu entschlagen und uns nur als Werkleute zu betrachten — Werkleute am Bleibenden und Universalen". Diese Worte, die Margot Asquith aus einem seiner frühesten Aufsätze anführt, lassen uns den Mann der Balfour-Deklaration vielleicht tiefer als zuvor verstehen. Bertha Badt-Strauß Zur Bibelerklärung Jede wissenschaftliche Bibelerklärung verbindet die philologische Arbeit mit einer theologischen Auffassung oder Zielsetzung. Das theologische Moment tritt stärker hervor, wenn der Erklärer in volkstümlicher Form den unbefangenen Leser an; den Text heranführen will. Volkstümlich heißt hier keineswegs oberflächlich. Der Vermittler zwischen dem Wort und dem Hörer oder Leser muß den Stoff der Tradition und der Wissenschaft souverän beherrschen, will er aus der Fülle des Materials das auswählen, was jenem so berühmten „einfachen Juden" den Text nahebringt und auch dem Gebildeten, ja vielleicht dem Verächter der Religion etwas sagt. Er muß die wissenschaftlichen Kontroversen kennen, doch ,er braucht sie nicht ausführlich mitzuteilen; er gibt Ergebnisse undnicht Fragen. Zwei Meisterwerke dieser volkstümlich - gelehrten Bibelerklärung liegen vor uns. Bei dem großen Werk des englischen Oberrabbiners*) *> The Pentateuch and Haftorahs. Hebrew Text. English Translation and Cotnmentary edited by The Chief Rabbi <Dr. J. H. Hertz>. 5 Bde. Oxford, University Press 5689/1929 bis5696/1936. Pentateuch und Haftaroth. Hebräischer Text und deutsche Uebersetzung mit Kommentar von Dr. J. H. Hertz, Oberrabbiner der jadischen Gemeinden des Britischen Reiches. I. Bd.: Genesis. Berlin, Jüdischer Verlag 1937. 173

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.