Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1938)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1938-05-01
- Page
- 83 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gemessen und dadurch das Problem gestaltet wird. Trotz der Losung „Bete Hebräisch" soll der Landessprache Raum gelassen werden; auch einer erträglichen Kürzung wird das Wort gesprochen. Die Kapitel „Beter und betende Frauen" und „Gebetsdichtung" stellen die „Kawwana" religiöser Persönlichkeiten dem nüchternen Juden unserer Tage vor Augen. Durch die fühlbare Gestaltung der überzeugenden Kraft des Betens erfüllt das Buch, was wir erwarten. Leider fehlt an manchen Stellen eine einheitliche Transkription der hebräischen Worte; so sollte nicht Selichoth und Selichot auf zwei Seiten nacheinander zu finden sein, auch wäre dem Laien Halachot an Stelle von Halachas gewiß verständlich. Lothar Rothschild Termine des Herzens Es gibt für die Ordentlichen unter uns Terminkalender. „10 Uhr Zahnarzt", schreiben wir auf, „12 Uhr Englisch, 3 Uhr Herbert (?)". Herbert ist, in der Sprache unserer Jugend zu reden, eine „Eventualverabredung", und deshalb bekommt er das Fragezeichen. Dieses Fragezeichen kann Sehnsucht bedeuten und eine kleine Scheu und Herzklopfen und etwas von dem Nichtsterbenwollen der Gefühle. . Oder aber kann es auch bedeuten, daß Herbert ein ganz unsicherer Kantonist und man also nicht verpflichtet ist, irgendwelche Rücksicht auf ihn zu nehmen. (Was natürlich nicht hindert, daß wir liebend gern gerade auf ihn die allergrößte Rücksicht nähmen!) Aber ich gebe zu, der Fall Herbert mag nicht jeden interessieren, und greife, um zu illustrieren, was ich meine, auch gern etwas anderes heraus. Steht da zum Beispiel irgendwo unter dem Vierzehnten: „Brief an Cahn." Und dieser Mr. Cahn (338 Fifth Avenue, New York City) ist dreimal unterstrichen. Weshalb, werden Sie fragen, ist er wichtig? Weil er in der Zahl derer, die wir drüben kennen, derjenige ist, der am ehesten in der Lage scheint, uns seine Hilfe zu leisten. Also haben wir ihm geschrieben. Am vierzehnten. Natürlich existiert, denn es handelt sich ja um die Ordentlichen unter uns, ein Durchschlag dieses Schreibens, das Datum ist somit jederzeit festzustellen. War es da nötig, es noch einmal extra zu vermerken? Offenbar war es das, denn nun fangen wir an, diesem Mr. Cahn seine Zeit nachzurechnen. Am 21. hat er den Brief gehabt, am 22. spätestens 23. muß er ihn beantworten, und am 30. können wir dann die Antwort in Händen haben. Eine einfache Rechnung! Um so einfacher, als wir genau wissen, daß am 29. die „Normandie" in Le Havre ankommt. Und wehe Mr. Cahn, wenn sie den Brief etwa nicht mitbringt! Denn sind wir nicht immer geneigt zu glauben, daß der andere es mindestens ebenso eilig haben muß wie wir? Ein Blick zurück zeigt allerdings, daß dem nicht immer so war. Denn als wir siebzehn waren, standen wir 83