Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1938)
- Article
- Draußen aber gehen die Pflüge
- Date
- 1938-04-01
- Page
- 22 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Moritz Kaswan Rückgekehrt aber Fand ich sie Mit dem jauchzenden Kinde spielend, Unter Zypressen Vor der Baracke. Schabbath wars; Es mischten sich Schatten, Und von den Bergen Wehte der Wind. Da dacht ich, Schön sei dem Rastlosen Feldgeruch, Mutterlaut Und Einsamkeit; Schön, die ihm treu bleiben, Erinnerung durchlodernd: Augen, Unsterbliche Sterne! Draußen aber gehen die Pflüge! Mag wie Eisen hart Das Erdreich trotzen; Mag wie Kupfer glühen Der Himmelskessel; — Die Pflüge, Sie brechen vorwärts! Aber mit klaffenden Furchen Der Aussaat, Der Lenze Harret das Land. Moritz Kaswan: Die Verlobttttg Die Juden um den Dnjestr herum, von Stanislau bis nach Suczawa, fahren zum Wiznitzer Rebben. Ein Chassid kommt und klagt, seine Geschäfte seien mit Unglück geschlagen, die letzte Kopeke vertan, und der Beladene ruft mit einer Stimme, aus der das Weinen herauszuhören ist wie das Tropfen des Regens im Herbstgesause: Rebbe, Rebbe, was soll ich tun? Und hinter diesem Chassid steht ein zweiter und klagt, sein Weib sieche ohne Hoffnung auf Leben dahin, aber auch der Tod kniee nicht an ihrem Bett, und von ihren Geburten habe keine das dritte Jahr überlebt. Und hinter diesem steht eine Frau und klagt: ihren Mann kenne doch jeder, der beste Gatte, der frömmste Jude, der sorgsamste Pächter sei er — jeder wisse es, 22