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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 532

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Zur Geschichte der Juden in Frankreich [Rezension]
Date
1938-03-01
Page
532 (sequence 2)
Language
German
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sehene Material, ohne ein klares Bild zu geben, das die Zusammenhänge erkennen ließe. Die Überschriften der drei Teile des Buches verraten die Absicht, die Berman geleitet hat: „Von den Ursprüngen bis zum Exil 1934", „Im Schatten des Kreuzes", „Menschen wie die andern". Die stete Entwicklung bis zur vollen äußeren und inneren Gleichstellung und Angleichung soll* gezeigt werden, und im Sinne dieses Zieles sind auch die Akzente verteilt. In dem Abschnitt „Unsere Ahnen, die Gallier" (vom Verfasser selbst in Anführungsstriche gesetzt), der von dem Proselytentum der ersten nachchristlichen Jahrhunderte spricht, heißt es etwa:, Die Ansprüche mancher französischer Juden, sich auf ihre gallischen Ahnen zu berufen, sind also keineswegs lächerlich." So weit wir wissen, hat schon Renan auf die Tatsache vieler früher Übertritte zum Judentum und auf die dadurch erfolgte Rassenmischung hingewiesen; aber selbst wenn ein französischer Jude einen Gallier des 3. Jahrhunderts zu seinen Ahnen zählen zu dürfen glaubt, erscheint uns dieser Ahnenstolz doch lächerlich! „Wie alle Menschen'', das heißt, wenn wir recht verstehen, „wie alle Franzosen". Jedes der in Aufbau und Anordnung des Stoffes ungleichen Kapitel will es uns beweisen, und aus der Geschichte der französischen Juden wird in manchen Teilen ein Führer durch die jüdischen Intellektuellen und Künstler, die sorgfältigst verzeichnet werden. Was Pascal oder der Abbe Fleury, was Bossuet, Rousseau, Voltaire u. v. a. über das Judentum gedacht und geschrieben haben, ist wohl interessant2): in eine Geschichte ein größeres Kapitel „Die französischen Schriftsteller und die Juden" einzufügen, das auf 15 Seiten 15 bedeutende Männer im Zeitraum von 130 Jahren behandelt (von denen Dohm nicht einmal Franzose ist), erscheint uns überflüssig. Auch Ungenauigkeiten und Fehler, die einem gelehrten Rabbiner nicht unterlaufen dürften, sind in dem Buche zu finden. Alles in allem: eine Sammlung von Namen, Regesten, Hinweisen und auch hier und da Anekdoten, die zu dem Schluß kommen: die „französischen Israeliten" sind gute Franzosen (daher fehlt auch nicht eine kurze Darstellung der Lage der Juden in Nordafrika, in welcher einer der Unterabschnitte die Überschrift führt „Im Dienste Frankreichs"). Daß sie es sind, bezweifeln wir nicht. Ein ernstes historisches Werk jedoch sollte kein apologetisches Ziel haben und vorurteilsfrei und genau die Daten und Ereignisse in der mannigfachen Verknüpfung ihrer Zeit und im Zusammenhang der Geschichte prüfen und daraus ein Bild gestalten. Wir müssen an die jüdische Historiographie hohe Anforderungen stellen. Wir wissen, daß französische Forscher auf diesem Gebiete Beachtliches geleistet haben; diese neue Geschichte aber ist von einem Geiste der Oberflächlichkeit geleitet, von dem wir hofften, er sei überwunden. Fritz Aron stein 2) Alle diese Zeugnisse sind von Jacob Kaplan in dem im gleichen Verlage erschienenen Buche gesammelt: Temoignages sur Israel dans la litterature francaise. 532

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