Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 12 (März 1938)
- Article
- Eine Frau gräbt aus
- Date
- 1938-03-01
- Page
- 530 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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die griechischen Juden losgekauft, wodurch die griechischen Gemeinden mächtigen Zuwachs und eine neue, wenngleich hellenisierte Blüte erhielten. Ein besonderes Kapitel des Buches beschreibt die Entdeckungen der Forscherin auf Delos und Ägina: uralte Synagogen; die in Delos ausgegrabene ist eine der ältesten überhaupt, enthält Bilder, Figuren und Inschriften in griechischer Sprache, die demnach auch die Gebetssprache der Juden war. Diese Synagoge und eine Reihe von anderen ringsum gelegenen stammen aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Die in Ägina unweit des Hafens gelegene Synagoge ist 1829 entdeckt, aber erst von Fräulein Mazur freigelegt worden und bildet nun eine viel bewunderte Sehenswürdigkeit. Für diese Dinge lebt diese Frau. Einsam, auf einer weltabgelegenen Insel, in einem kleinen Haus, das sie sich gebaut hat, und gelegentlich erhält sie Besuch aus Jerusalem: Die bekannten Archäologen der Universität sind ihre Gäste und die besten Würdiger ihrer fleißigen und so erfolgreichen Arbeit. L.H. Leone Ebreo englisch Man wird nicht leugnen können, daß Leone Ebreo heute nur noch historische Bedeutung hat. Er gehört zu jenen Schrittmachern der Renaissance, die Spinoza und anderen Denkern eine gewisse Vorarbeit geleistet haben und schon dadurch ihren Platz in der Geistesgeschichte behalten. Darum ist es ein begrüßenswertes Unternehmen, wenn die Soncino Press in London in vorzüglicher Ausstattung eine vollständige englische Übersetzung der Dialoge herausbringt, um die sich die Übersetzer F. Friedeberg- See 1 e y und Jean H. Barnes ein philologisches und auch philosophisches Verdienst erworben haben. Der heutige Leser findet an der in der Renaissance beliebten Form des Gesprächs keinen rechten Geschmack mehr; aber wer es fertig bringt, sich durch diese 468 Seiten hindurchzulesen, wird immer wieder gefangen sein von dem stancen und in einem tiefen Sinne jüdischen Ethos, das von Leone Ebreo, dem Sohne des in diesem Jahre so reich gefeierten Jizchak Abravanels, ausströmt. Die Liebe als Weltprinzip — ein wahrhaft hoher Gedanke! Was könnten wir uns sehnlicher wünschen? Es gibt noch manche Fragen bei Leone zu klären; es steht noch nicht einmal fest, in welcher Sprache er eigentlich seine Dialoge geschrieben hat; sicher ist nur, daß die italienische Fassung selbst wieder eine Übersetzung ist. Die allgemeine Annahme ging dahin, daß er entweder hebräisch oder spanisch geschrieben habe; bekannt ist, daß ihm beide Sprachen geläufig waren. Die nun vorliegende englische Ausgabe wird von Cecil Roth mit einem Vorwort begleitet, in dem er die These aufstellt, daß Leone in seiner Muttersprache Ladino, jener Mischsprache der sefardischen Juden, geschrieben habe. Da diese These nicht uninteressant ist, möge die betreffende Stelle bei Roth in Übersetzung hier stehen: 530