Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 12 (März 1938)
- Article
- Erkel Gawlick
- Date
- 1938-03-01
- Page
- 504 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mala Laaser „Meine Freunde", sagt der alte Gawlick schmunzelnd, „die Ratten, das sind meine Freunde, des Lumpenhändlers Erkel Gawlick Freunde. Wie, oder nicht? Fühlt ihr euch am Ende gar betrogen, daß ich euch nicht Fleisch und Mehl in eure Ecken streuen lasse? Ich bin euch doch in nichts verpflichtet. Freie Wohnstatt habt ihr hier, und das Futter mögt ihr aus der Gosse holen. Wie? Was zischt ihr denn so feindlich?" „Erkel Gawlick", zischen die Ratten, „du hast uns sechzig Jahre lang betrogen. Wir haben Hunger, Erkel Gawlick, Hunger! Fleisch, wir wollen endlich Fleisch zum Fressen. Alter, hüte dich, deine Freunde haben spitze Zähne. Da, wir schleichen uns schon an! Flieh, wenn dir dein Leben lieb ist!" „Ei doch, ei doch", denkt der Alte; dann plötzlich wird ihm dumpf ums Herz. „Schöne Freunde", sagt er böse, „wollt ihr etwa was von mir? Müßt schon warten, bis ich tot bin. Eines Morgens wird das sein; hier, meine Freunde, mitten im Speicher wird der alte Gawlick sterben. ." „Wir können nicht warten", zischen die Ratten. Da graut's den Alten; er läuft davon. Er poltert die Stiegen hinunter zum Hof. „Was ist das?" denkt er, „die Luken sind auf? Hat der Wächter denn nicht abgeriegelt?" „Heda!" schreit er zum Speicher empor. Zur Antwort fliegt ein Lumpenregen aus der Luke. Erkel Gawlick ist erstarrt. Es regnet Lumpen aus der Höhe, der ganze Reichtum deckt den Hof. Gawlick, lauf! Das ist dein Tod! Er möchte schon, er kann nicht laufen. Die Füße sind wie eingewurzelt. Die Fetzen schlagen auf ihn ein, wie ein dickes Wasser quillts ihm bis zur Hüfte. Lumpen fallen aus der Höhe, Lumpen füllen den engen Hof. — Erkel Gawlick, du wirst ertrinken! Da preßts ihm schon die Kehle ab. Er ficht und wühlt mit beiden Händen, reckt sich auf und schnappt nach Luft. Zu spät, schon legt sichs um die Schläfen, die Furcht rauscht auf, und dunkel wirds. . . Er fährt mit einem Schrei aus diesem Traum. In der Gurgel pocht das Blut. Der Kopf ist ihm wie ausgepumpt — Schwindel, Atemnot und Todesgrauen. Er schläft in dieser Nacht nicht mehr. Unablässig streicht er über seine Glieder; er ist sich plötzlich selber fremd geworden, er muß sich fassen, fühlen und zwicken, damit er Erkel Gawlick in dem fremden Leib erkennt. Überm Magen drückt ihn eine Not. Was mag das sein? Er weiß es nicht. Überm Magen 504