Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 12 (März 1938)
- Article
- Regenwind
- Date
- 1938-03-01
- Page
- 503 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Marianne Rein: Regenwind Federleicht und wolkenlind hat mich angeflogen dieser laue Regenwind, südwärts hergezogen. Unter seinem zarten Sprühn muß das Gras erbeben. Was verdorrte, drängt zum Blühn, Saft pocht in den Reben. Regenwind, gesandt vom Meer, soll landeinwärts wehen und vom Duft des Landes schwer rieselnd niedergehen. Wo die Wolke sich ergießt, fallen Regenschauer, und im leisen Rauschen fließt sanfte dunkle Trauer. Mala Laaser: Erkel Gawlick Der alte Gawlick liegt in seinem Bett und träumt. Er geht gemächlich durch die Speicher, tastet hier einen Ballen ab, greift dort mit seinen kundigen Händen in ein vorsortiertes Lumpenbündel. Er atmet tief den wohlbekannten Staubgeruch. In den Speicherecken pfeift und raschelt es. „Das sind die Ratten", denkt Erkel Gawlick. Er schmunzelt. Über sechzig Jahre wohnen sie schon hier, zwanzig, dreißig, hundert Ratten. Als ob in einem Lumpenspeicher dieses graue Volk jemals ein unerhörtes Freßgelage hätte feiern können. Sechzig lange Jahre nagen die Ratten schon an den Säcken, als seien anstatt der Lumpen Mehl und fettes Fleisch darin. Sechzig Jahre nagen sie die Ballen an, zupfen Kammgarnfetzen und vermottete Strümpfe hervor, schleifen und zerren den kostbaren Abfall über die Böden und führen pfeifend ihre Lappentänze auf. 503